Mazda CX-5: Die Suche nach dem Fortschritt

Mazda CX-5: Die Suche nach dem Fortschritt

Der neue Mazda CX-5 hat ein Problem: Sein Vorgänger war gut. So gut, dass sein komplett neuer Nachfolger eigentlich auch ein grösseres Facelift sein könnte, denn grosse Neuerungen sucht man leider vergebens. Der sympathische Japaner muss sich puncto Technik, Ausstattung und Preis zwar keineswegs von der Konkurrenz verstecken. Es steckt sogar mehr in ihm drin, als man denkt. Dennoch bleibt das Gefühl, dass da mehr möglich gewesen wäre.

Der markante Grill sowie die aus ihm herauslaufenden, schnittigen Scheinwerfer, kennzeichnen den neuen CX-5 auf den ersten Blick. Ansonsten muss man schon Mazda-Designer sein, um die Unterschiede zum Vorgänger zu erkennen. Beispiele gefällig? Im Gegensatz zum Vorgänger ist die Umrahmung der Fensterlinie nun verchromt anstatt schwarz. Ausserdem wurde die Form der Reflektoren am Heck geändert. Zur Erinnerung: Dieses Auto ist komplett neu und hat mit dem Vorgänger nichts zu tun.

2017 Mazda CX-5
Finde die Unterschiede: Am Heck waren die Designer extrem konservativ.

Wenigstens wird dies im Cockpit deutlicher. Der Bildschirm des Infotainmentsystems, der übrigens aus Gründen der Ablenkungsgefahr nur im Stand ein Touchscreen ist, thront nun über dem Armaturenbrett. Smartphone-Integration à la Apple CarPlay ist bei Mazda noch nicht angekommen, da sollten die Japaner mächtig Gas geben und dies anbieten. Bei den Instrumenten beschleicht einen aber das Gefühl, Mazda müsse noch Teile loswerden. Bis auf das überarbeitete Infodisplay sind diese nämlich identisch zum Vorgänger. Immerhin wird ein Head-up-Display in die Scheibe projiziert, dies aber auch nur bei der höchsten Ausstattungslinie.

2017 Mazda CX-5
Die kleinen Räder sind auf die Winterbereifung zurückzuführen.

Kritik müssen auch die zu rutschigen Sitze einstecken. Besonders bitter: Im Vorgänger war die Beinauflage noch lange genug, jetzt ist sie zu kurz geraten. Autsch! Versöhnlicher wird die Situation im Fond. Die hinteren Türen lassen sich nämlich bis zu einem 90°-Winkel öffnen, was jede Mama, die ein Kind im Kindersitz verstauen muss, bestimmt gerne hört. Auch sind die Platzverhältnisse so gut, dass selbst Grossgewachsene keine Probleme mit Kopf oder Beinen bekommen. Die elektrische Heckklappe dürfte gerne schneller arbeiten, doch das Kofferraumvolumen von 506 Litern passt.

2017 Mazda CX-5
Das weisse Leder ist schick, doch das Material ist zu rutschig und die Beinauflage zu kurz.

Unter der Haube geht das Suchen des Fortschrittes wieder los. Bis auf die Zylinderabschaltung beim stärksten Benziner hat sich nämlich nichts getan, was bei einem komplett neuen Auto unüblich ist. Auch das ziemlich träge 6-Gang-Automatikgetriebe ohne Schaltwippen hat seine besten Tage bereits hinter sich, doch auch hier setzt man in Hiroshima anscheinend lieber auf Bewährtes.

2017 Mazda CX-5
Die Qualitätsanmutung ist durchgehend sehr hoch.

Zum Test angetreten ist der CX-5 mit besagtem Automatikgetriebe sowie 129 kW starkem 2,2-Liter Diesel. Der läuft ziemlich rau und dass seine 420 Nm nicht so Recht zur Geltung kommen, schiebe ich einfach mal auf das Getriebe. Daher mein Tipp: Auch wenn ein SUV eigentlich nach einem Automatikgetriebe schreit, ist die Handschaltung im CX-5 eine Überlegung wert. Mazda gehört nämlich zu den wenigen Herstellern, die generell knackige Schaltgetriebe bauen.

2017 Mazda CX-5
Praktisch: Weit öffnende Türen sowie genügend Platz ohne störenden Mitteltunnel.

Was Mazda ebenfalls kann: Fahraktive Autos bauen. Trotz grossem Diesel und Vollausstattung wiegt der CX-5 nämlich nur 1670 Kilo, was für seine Grösse ein guter Wert ist. Entsprechend bewegt sich der CX-5 auch, hält sich mit Seitenneigung zurück und lässt mit der leichtgängigen, aber sehr präzisen Lenkung echte Fahrfreude aufkommen. Die wird im Testwagen durch das Getriebe gedämpft, welches ohne Sport-Modus bei sportlichem Fahren mit der Gangwahl bisweilen überfordert ist. Aber wie gesagt: Handschaltung passt bestimmt zum sportlichen und doch komfortablen CX-5. Ich bin auch ziemlich sicher, dass der exorbitante Testverbrauch von 8,7 l/100 km ebenfalls auf das Konto der Automatik geht.

2017 Mazda CX-5
Schicke Scheinwerfer mit Matrix-Licht, eines der Highlights am CX-5.

Immerhin ist bei den Assistenzsystemen der Fortschritt zu spüren, denn da bietet der CX-5 das volle Programm: Abstandstempomat mit aktivem Spurhalteassistent und Stauassistent sowie Matrix-LED-Licht heissen die feinen Zutaten, die das Autofahren im Stop-and-Go oder bei nächtlichem Regen erleichtern. Mit Handschaltung fällt der Stauassistent natürlich weg, aber bei höheren Geschwindigkeiten funktioniert der Abstandstempomat dennoch.

2017 Mazda CX-5
Für einen Diesel hat der Motor im Test massiv einen über den Durst getrunken.

Unter dem Strich bekommt man für 52’074 Franken ein gefälliges und fahraktives SUV, dessen Potenzial sich mit Handschaltung steigern lässt. Komfortables Fahren mit einer Assistenz-Armada beherrscht der CX-5 ebenfalls. Was aber gar nicht geht, ist, bei einem komplett neuen Auto nichts an den Motoren zu ändern und nicht wenigstens einen neuen Motor anzubieten. Keine Smartphone-Integration, schlechtere Sitze als im Vorgänger und ein langsames Getriebe bringen ebenfalls wenig Sympathie-Punkte. Schade, denn die Basis stimmt und eigentlich kann es Mazda besser.

2017 Mazda CX-5
Für eine neue Generation hat sich Mazda insgesamt mit Neuerungen ein wenig zu sehr zurückgehalten.

Alltag 

Gute Platzverhältnisse und ein für ein SUV-Verhältnisse passabler Wendekreis sowie die weit öffnenden Fondtüren erleichtern den Alltag. Schade, fehlt eine Durchreiche aus dem Kofferraum.

Fahrdynamik 

Mit seinem geringen Gewicht und dem ausgewogenen Fahrwerk mag es der CX-5 durchaus sportlich, lediglich das träge Automatikgetriebe bremst ihn aus. Wer gerne zügig fährt, ist mit dem Handschalter klar besser bedient.

Umwelt 

8,7 l/100 km sind für einen Diesel viel zu viel. Doch anstatt das vorhandene Drehmoment zu nutzen, schaltet das Getriebe zu früh runter. Auch hier würde die Handschaltung Abhilfe verschaffen, doch ein Knauser scheint dieser Motor so oder so nicht zu sein.

Ausstrahlung 

Über ein schickes Design verfügt der CX-5 nach wie vor. Doch ich finde es schade, hat man sich nur an der Front grössere Änderungen getraut.

Fazit 

+ Gute Platzverhältnisse
+ Sehr hochwertige Verarbeitung
+ Einfache Bedienung
+ Üppige Ausstattung
+ Ausgewogenes Fahrwerk
+ Präzise Lenkung
+ Komfortables Fahrgefühl
+ Verhältnismässig geringes Gewicht
+ Viele Assistenzsysteme mit Stau-Assistent, Matrix-Licht und HUD
+ Fairer Preis

– Wenig einfallsreiches Design
– Keine neuen Motoren
– Rauer Diesel
– Träges Automatikgetriebe
– Viel zu hoher Verbrauch
– Rutschige Sitze mit knapper Beinauflage
– Keine Smartphone-Integration

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellMazda CX-5
Preis Basismodell / Testwagen28 900 CHF / 52 074 CHF
AntriebDiesel, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder2191 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung129 kW bei 4500 r/min
Max. Drehmoment 420 Nm bei 2000 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h9,5 s
Vmax206 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz5,8 l/100 km / 152 g/km / F
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz8,7 l/100 km / 188 g/km / +50%
Länge / Breite / Höhe4,55 m / 1,84 m / 1,68 m
Leergewicht1670 kg
Kofferraumvolumen506 - 1620 l

Bilder: Koray Adigüzel

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