New Kia Sorento: Ein Sprung nach oben

New Kia Sorento: Ein Sprung nach oben

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Episch und majestätisch rollt der neue Kia Sorento durch die nächtlichen Strassen von Paris. In gewisser Hinsicht zu Recht, ist er doch das Top-Modell der Südkoreaner. Mit dem gewachsenen Sorento drängt Kia deutlich in Richtung des Premium-Segments und um dort zu bestehen, dessen ist sich Kia bewusst, muss die Qualität einfach stimmen. Ich war mit dem brandneuen Sorento in Spanien auf Entdeckungstour, um herauszufinden, ob Kia tatsächlich Premium-Qualität zum erschwinglichen Preis anbietet.

Von vorne betrachtet fällt sofort der massive Kühlergrill ins Auge, der an den Diamond Grill von Mercedes erinnert. Ein Anzeichen des Premium-Anspruchs? Wer weiss… Der Grill ist in meinen Augen jedenfalls fast schon zu amerikanisch dimensioniert, da hat mir der schlankere Grill des Vorgängers besser gefallen, andererseits schindet der neue Sorento somit mächtig Eindruck.

Kia Sorento
Der Sorento hinterlässt von vorne einen mächtigen Eindruck, nicht zuletzt wegen des Grills.

Obwohl das SUV mit nunmehr 4,87 Meter Länge richtig gross geworden ist, wirkt er nicht kastig, sondern gefällt durch fliessende Linien. Dem wuchtigen Heck würden zwei Auspuffblenden gut stehen, stattdessen versteckt Kia den Auspuff unter dem Stossfänger, wo man übrigens auch das Reserverad findet. Bei der Gestaltung der Rücklichter muss den Designern allerdings die Lust am Gestalten vergangen sein: Das reine Rücklicht ist fast 1:1 dasselbe wie vom Tesla Model S; zusammen mit dem Bremslicht schimmert der VW Passat allzu deutlich durch. Etwas mehr Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert wäre wünschenswert.

Kia Sorento
Der LED-Bogen erinnert stark an das Tesla Model S, das Bremslicht an den VW Passat. Insgesamt ein fantasieloser Abgang, aber der böse Blick nach hinten hat seinen Reiz.

Im schick und hochwertig verarbeiteten Interieur findet sich ebenfalls ein Designmerkmal, welches sich in einem deutlich teureren Modell wiederfindet. Die Rede ist von der geschwungenen Linie, welche direkt unterhalb der Windschutzscheibe bis in die Türen verläuft. Wo habe ich das schonmal gesehen…? Ah ja, genau, in Jaguar’s Topmodell XJ

Kia Sorento
Übersichtliches, geräumiges und hochwertig verarbeitetes Interieur. Unter der Windschutzscheibe ist die Linie vom Jaguar XJ zu sehen.

Ganz so feudal geht es im Innenraum des Sorentos natürlich nicht zu und her, aber das horizontale Layout, die aufgeräumte Mittelkonsole und der grosse Touchscreen gefallen. Grosse Fortschritte hat Kia bei den Sitzen gemacht. Bisher konnte von Seitenhalt in Kia-Modellen (Ausnahme: Cee’d GT) kaum die Rede sein, aber die Sitze im Sorento stützen den Körper sehr gut, ausserdem ist die Beinauflage angenehm lange. Die vorderen Sitze verfügen über eine Sitzventilation, eine Sitzheizung gibt es sowohl vorne, als auch im Fond.

Kia Sorento
Viel Platz gibt es auch im Fond.

Aber nicht nur die Sitzheizung, auch die verstellbare Neigung und die in der Länge verschiebbaren Sitze erhöhen den Komfort in der zweiten Reihe. Auf Wunsch gibt es sogar noch eine dritte Reihe im Kofferraum, wobei diese wie gewohnt nur für Kinder gedacht ist. Ebenfalls überzeugen kann der Kofferraum mit einem Volumen von 605 – 1662 Liter, zwei Untergeschossen, einer 40:20:40 teilbaren Rückbank und einer automatischen Heckklappe, die auch auf einen angedeuteten Fusstritt reagiert. Platz ist in Kia’s neuem Flaggschiff jedenfalls reichlich vorhanden.

Kia Sorento
Der Kofferraum ist riesig und bietet zusätzlich zwei kleine Untergeschosse.

Obwohl der Sorento nicht nur frisch geschminkt, sondern komplett neu konstruiert wurde, ist unter der Haube alles beim Alten geblieben. Weiterhin nagelt der 2,2-Liter Diesel mit 147 kW und 441 Nm unter der Haube. Der Motor läuft zwar einigermassen ruhig und vor allem vibrationsfrei, sein Normverbrauch ist mit 6,7 l/100 km für ein brandneues Auto aber ein wenig zu hoch. In der Schweiz wird der neue Sorento ausschliesslich mit dem 6-Gang Automatikgetriebe und Allradantrieb zu haben sein, welches ebenfalls langsam in die Jahre kommt. Die Gangwechsel sind zwar sanft und auch einigermassen flott, aber mindestens ein zusätzlicher Gang auf der Autobahn wäre wünschenswert. Insgesamt ein wenig schade, dass Kia ausgerechnet beim Top-Modell bei der Antriebstechnik gespart hat.

Kia Sorento
Dem massigen Heck würden zwei grosse, in den Stossfänger integrierte Auspuffblenden gut stehen.

Fortschritte hat man dafür beim Fahrwerk und bei der Lenkung erzielt. Letztere ist um ein vielfaches präziser und vor allem rückmeldungsintensiver als man es ansonsten von südkoreanischen Modellen gewohnt ist. Das Fahrwerk federt wie erwartet sanft und komfortabel, hält sich aber in Kurven stabil und die Karosserie verkneift sich eine ausgeprägte Seitenneigung. Von einem sportlichen Fahrverhalten kann dennoch keine Rede sein, weshalb der Sport-Modus bis auf einen ständig zu hoch drehenden Motor und erhöhten Verbrauch kaum etwas bringt. Besser, man geht entspannt auf Reisen und fährt im Normal- oder gar im Eco-Modus los, schliesslich ist auch in tiefen Drehzahlen genügend Drehmoment vorhanden.

Kia Sorento
Die breite, geschwungene D-Säule ist ein weiteres Designmerkmal vom neuen Sorento.

Auch technisch hat Kia ausgerüstet. Auf Wunsch ist der Sorento jetzt mit Abstandstempomat, Tot-Winkel-Warner, automatischem Parkassistenten und adaptivem Kurvenlicht erhältlich. Schade, dass man nicht konsequent genug war, ansonsten hätte der Sorento auch noch Xenon-Fernlicht (anstelle nur Abblendlicht) und einen Spurhalteassistenten, der aktiv eingreift, anstatt nur piepst. Besonders komisch: Der Kia Optima korrigiert die Spur, der neuere Sorento beschränkt sich aber auf einen mehr oder weniger sinnvollen Warnton.

Kia Sorento
Obwohl er sehr gross ist, wirkt er nicht kastig oder behäbig.

Immerhin scheint Kia eingesehen zu haben, dass es bei einem modernen SUV hauptsächlich um die Optik, die erhöhte Sitzposition, die bessere Übersicht und das gute Platzangebot geht. Während der Pressekonferenz wurden nämlich Offroad-Details wie Böschungswinkel, Wattiefe, Bodenfreiheit, etc. nicht einmal ansatzweise erwähnt. Das moderne SUV muss ohnehin nicht mehr können, als Feldwege und verschneite Strassen zu bewältigen. Und natürlich gut aussehen.

Kia Sorento
Gut versteckt: Das Reserverad.

Kia hat das verstanden und bietet unter dem Strich ein Auto an, über dessen kleine Schwächen man leicht hinwegsehen kann. Natürlich ist der Kia Sorento kein superfeines Premium-Produkt, ansonsten wären auch kleine Schwächen nicht zu tolerieren. Aber Kia strebt mit dem Sorento klar nach Höherem und ich wage zu behaupten, dass dies Kia auch gelingen wird. Wer auf den deutschen Perfektionismus verzichten kann, sollte warten, bis der Sorento ab März in der Schweiz erhältlich sein wird. Genaue Preise wurden zwar noch nicht genannt, das Top-Modell soll allerdings weniger als 60’000 Franken kosten. Bei Audi gibt es dafür derzeit einen um 23 cm kleineren Q5 mit Allradantrieb und 140 kW Diesel in der Basisausstattung. Bezüglich Preis-/Leistungsverhältnis von Kia gibt es da meiner Meinung nach nichts mehr hinzuzufügen.

Kia Sorento
Typisch SUV: Mehr als Feldwege muss man gar nicht meistern können, um die Gunst der Kundschaft für sich zu gewinnen.

Steckbrief

Marke / ModellKia New Sorento
PreisNoch nicht bekannt
AntriebDiesel, Allrad
Hubraum / Zylinder2199 ccm / R4
Getriebe6-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung147 kW bei 3800 r/min
Max. Drehmoment441 Nm bei 1750 - 2750 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h9,6 s
Vmax203 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6,7 l/100 km / 177 g/km / F
Länge / Breite / Höhe4,78 m / 1,89 m / 1,69 m
Leergewicht1853 kg
Koffer­raum­volumen605 - 1662 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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