Mit dem DS N°8 haben die Franzosen eine neue Spitzenklasse, die sogar genutzt wird, um den französischen Präsidenten zu kutschieren. Luxus und Haute Couture werden grossgeschrieben und ab des abgefahrenen Designs wird gekonnt darüber hinweggetäuscht, dass der Wagen eigentlich immer noch französische Grossserie ist und nicht wirklich Luxusklasse. Aber auch wenn sich DS nicht ganz nach oben streckt, so bietet die extravagante, höhergelegte Limousine Komfort und Qualität der Extraklasse. Stellenweise hapert es aber dennoch mit dem eigenen Anspruch.
Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll beim Design. Das Auto ist dermassen durchgestylt, es könnte auch auf dem Vorplatz des Louvre parkiert sein als Nebenprodukt der Museumsausstellung. Die monumentale Front ragt hoch auf, ist im Dunkeln auch beleuchtet wie der Haupteingang des Louvre, und mit der schwarz abgesetzten Motorhaube könnte man einem Laien das Auto auch als neuen Rolls-Royce verkaufen. Um die Scheinwerfer herum verläuft das Design voller Ecken und Kanten und auch die ellenlang gestreckte Seitenlinie nimmt Richtung hinterer Kotflügel wieder Sicken und Kanten auf. Das Dach ist schwarz abgesetzt und scheint nach hinten zu schweben. Die Rücklichter wiederum laufen spitz nach allen Seiten zu und leuchten wie feuerrote Kristalle. Man kann sich gar nicht sattsehen am Auto, auch beim dritten Rundumlauf entdeckt man ein neues Detail. Durch die gestreckte und abfallende Dachlinie wirkt das Auto ausserdem grösser, als es eigentlich ist.

Kunstvolle Inszenierung
Das Interieur steht dem Aussendesign in nichts nach. Man weiss gar nicht, was man zuerst bewundern soll, so durchgestylt ist das Cockpit. Da wäre zum einen das extravagante, Kreuz-förmige Lenkrad. Dann die schwebende, im Dunkeln sternartig beleuchtete Mittelkonsole. Der hübsch eingefasste und integrierte Touchscreen. Die Lautsprecherabdeckungen, die rautenförmigen Steppungen der Nappaledersitze. Man kann das jetzt total lieben oder zu abgefahren finden, aber Fakt ist, dass sich die Franzosen trauen, abseits vom Mainstream zu denken.

Qualitativ haben sich die Franzosen natürlich wieder alle Mühe der Welt gegeben, wobei ich sagen muss, dass diese sicht- und fühlbare Extrameile sich auf den oberen Teil des Interieurs beschränkt. Der untere Teil der Türen sowie der untere Teil der Mittelkonsole fühlen sich im Vergleich zu oben deutlich weniger hochwertig an.

Immerhin muss man aber trotz des extravaganten Designs keine Einbussen bezüglich den Platzverhältnissen hinnehmen. Man sitzt auf allen Plätzen luftig und auch der Kofferraum steckt eine Menge ein. Die Vordersitze sind ausserdem das Nonplusultra schlechthin: Vielfach verstellbar, inklusive Seitenwangen, ausgestattet mit Heizung, Lüftung, Massage sowie Nackenföhn. Da wünscht man sich doch glatt, der Akku möge niemals leer werden.

Weg von der Strasse
Fahren im DS N°8 fühlt sich an, als würde sich das Auto so weit wie möglich von der Strasse abkoppeln wollen. Wind-, Abroll-, und auch sonst alle Geräusche sind im Franzosen extrem gut abgeschirmt. Der Wagen ist mit einem adaptiven Fahrwerk ausgestattet, das die Strasse scannt und die Dämpfer entsprechd einstellt. Die volle Magie davon bekommt man im Comfort-Modus zu spüren – respektive, eben nicht zu spüren. Das Auto fährt in diesem Modus wie ein fliegender Teppich. Auf der Autobahn ist dieser Modus schlicht perfekt – man spult Kilometer für Kilometer ab und kommt um Welten entspannter am Ziel an, als man losgefahren ist. Auf der Landstrasse ist mir persönlich dieser Modus zu abkapselnd, aber andere mögen es vielleicht, permanent so soft wie möglich unterwegs zu sein.

Sport mit Einschränkungen
Da der DS N°8 über ein adaptives Fahrwerk und Allradantrieb verfügt, kann man mit dem Spitzenmodell das Thema Sport etwas ernster nehmen als mit anderen DS-Modellen. Allerdings ist Sport hier auch nicht wortwörtlich zu nehmen, sondern das Auto deaktiviert eher die Mission «Fahrer von allem abkapseln». Die Kraftentfaltung ist selbst im Sportmodus eher souverän als bissig, die Lenkung wird zwar härter, lässt aber weiterhin Rückmeldung vermissen. Fazit: Zügiges Fahren ohne Schaukelpferd-Gefühle geht zwar, aber Fahrdynamik wird nie eine tragende Säule in der DS-Welt sein.

Theorie & Praxis
Ich habe in all den Jahren, in denen ich schon Elektroautos teste, eine ganz persönliche These aufgestellt, die da lautet: Je höher die WLTP-Reichweite, desto grösser ist das Delta zwischen WLTP und meinen in der Praxis gefahrenen Werten. Und siehe da: Der DS N°8 untermauert diese einmal mehr. 664 Kilometer weit soll der noble Franzose kommen, aber die Realität zieht nach 400 Kilometern den Schlussstrich – damit sind aber nur 60 Prozent von der WLTP-Reichweite erzielt worden. Ab wann das als Betrug gilt, darf jeder für sich selbst entscheiden. Und trotz des extravaganten und progressiven Auftritts steckt unter dem schicken Blechkleid eben doch «nur» bewährte Stellantis-Konzerntechnik und die hat es nicht so mit der Ladeleistung: 160 kW sollen es bestenfalls sein. Solider Durchschnitt, nicht mehr und nicht weniger.

Das gewisse Extra – aber nicht überall
Der DS N°8 hat eine ganz grosse Stärke: Er ist einzigartig und hat Charakter. Und zwar nicht nur innerhalb der DS-Welt, sondern im gesamten Wettbewerbsumfeld. Eine derartige Konsequenz, ein Auto durchzustylen, sieht man nirgendwo sonst. Dass DS ausgerechnet beim Topmodell den gehobenen Qualitätsanspruch nicht bis zur letzten Rille durchzieht, ist zwar schade, aber gemessen an der Konkurrenz ist der Franzose dennoch durch und durch Premium. Der Preis von 81’900 Franken für den Testwagen ist zwar auf den ersten Blick viel, aber wenn man sich die Konkurrenz zusammensucht, wird man feststellen, dass der N°8 entweder weniger oder ungefähr gleich viel kostet. Hightech – Stichwort Ladeleistung und Infotainmentsystem – sind nicht die Stärken des Autos. Auch das Nachtsichtsystem, das ein Gruss an die Oberklasse ist, nervt leider mehr mit Fehlalarmen als mit Nutzen. Doch Design, Komfort, Qualität und auch Nutzwert vereint das Topmodell aus Frankreich mehr als alle anderen!

Alltag 
Trotz stylischem Design bietet der DS N°8 auf allen Plätzen ein gutes und luftiges Raumgefühl. Auch der Kofferraum ist üppig, ausserdem ist der Wendekreis für so ein Schiff überraschend klein. Schlecht ist dafür die Rundumsicht.
Fahrdynamik 
Man kann mit dem grossen DS zügig fahren, ohne dass sich das gesamte Auto dagegen sträubt. Die Paradedisziplin ist Sport freilich nicht, die anderweitigen Qualitäten des Autos dürften klar sein.
Umwelt 
Mit einem Verbrauch von 20,9 kWh/100 km erzielt der Franzose einen soliden Wert. Wer weniger Autobahn fährt wie ich, dürfte locker einen Verbrauch von unter 20 kWh/100 km erzielen und damit auch die Werksangabe unterbieten.
Ausstrahlung 
Was soll man da noch sagen: Wer den ganz grossen Auftritt mag, wird am DS N°8 seine Freude haben. Das Auto zieht alle Blicke auf sich und unterstreicht, welche Bedeutung Autodesign hat. Ein rollendes Statement.
Fazit 
+ Extrem eigenständiges und extravagantes Design
+ Diverse Interieurs-Trims mit stylischer Note
+ Vorzügliche Sitze, top Ergonomie
+ Grundsätzlich: Bombastische Qualität, aber kleine Einbussen
+ Heizung, Lüftung, Massage und Nackenföhn für das volle Wellness-Programm
+ Viel Liebe zum Detail – aussen und innen
+ Kraft aufbauender Elektro-Allradantrieb
+ Sehr geschmeidiges Fahrgefühl
+ Fahrkomfort kaum zu überbieten
+ Sehr niedriger Geräuschpegel
+ Sportmodus strafft das Auto spürbar, zügiges Fahren problemlos möglich
+ Ziemlich tiefer Stromverbrauch
+ Fairer Preis
– Kleine Qualitätseinbussen
– Praxisreichweite weicht stark vom WLTP-Wert ab
– Zu empfindlicher Nachtsichtassistent
– Unterdurchschnittliche Ladeleistung
– Bedienung vom Infotainmentsystem nicht immer intuitiv, gelegentliche Hänger
Mängel am Testwagen
– Keine Mängel
Steckbrief
| Marke / Modell | DS N°8 AWD |
|---|---|
| Preis Basismodell / Testwagen | 66'600 CHF / 81'900 CHF |
| Antrieb | Elektrisch, Allradantrieb |
| Akkukapazität | 102 kWh (brutto) / 97 kWh (netto) |
| Max. Leistung | 257 kW |
| Max. Drehmoment | 509 Nm |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 5,4 s |
| Vmax | 190 km/h (elektronisch abgeregelt) |
| WLTP-Verbrauch / Energieeffizienz | 20,2 kWh/100 km / C |
| Test-Verbrauch / Differenz | 20,9 kWh/100 km / +3% |
| WLTP-Reichweite | 664 km |
| Ø Test-Reichweite | 400 km |
| Max. Ladeleistung (DC) | 160 kW |
| Länge / Breite / Höhe | 4,82 m / 1,90 m / 1,58 m |
| Leergewicht (ohne Fahrer) | 2332 kg |
| Kofferraumvolumen | 566 - 1834 l |














Bilder: Stellantis Schweiz