Nachdem BYD seine Autos beinahe in ganz Europa verkauft und auch in den Medien omnipräsent ist, startet der absatzstärkste Hersteller von elektrischen Autos auch in der Schweiz. Die Chinesen bieten ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, simple Konfiguration sowie ein klassisches Vertriebsmodell. Ausserdem arbeitet der Hersteller in einem sehr hohen Takt und verspricht bis auf Weiteres ein neues Modell alle zwei Monate. Zum Marktstart stehen die Modelle Seal, Sealion und Seal U DM-i zur Verfügung. Eine erste Testfahrt in der Limousine Seal wirkt vielversprechend!
Selbst nicht autoaffine Leute sind mittlerweile bestimmt über die Marke BYD gestossen. Der chinesische Autohersteller führt aktuell weltweit die Charts für die Verkäufe von Elektroautos und ist im Heimatmarkt sogar generell Marktführer. Nun wagen die Chinesen auch den Schritt in den Schweizer Markt. Zum Start stehen die Limousine Seal und die SUVs Sealion sowie Seal U DM-i. Bei letzterem handelt es sich um einen PHEV, während die ersten beiden genannten Modelle reine Stromer sind.
Wertiges Ambiente
Ein erster Augenschein bei den drei Modellen zeigt, dass BYD trotz vernünftigen Preisen nicht offensichtlich bei der Materialwahl geizt. Die Autos sind durchgehend hochwertig verarbeitet und die Materialien sind durchs Band wertiger, als bei den sogenannten Premium-Herstellern in diesem Segment. Das muss also auch deutlich gesagt werden. Ferner punkten alle Modelle mit einer üppigen Serienausstattung, grosszügigen Platzverhältnissen und einem Infotainmentsystem, das keine Wünsche offenlässt und eine Sprachsteuerung auf dem Niveau der neuesten Smartphones bietet. Bei allen Modellen ist der zentrale Touchscreen ausserdem um 90 Grad drehbar, sodass man zwischen einem hochkantigen und einem querformatigen Bildschirm wechseln kann. Ein Kritikpunkt, der sich dafür auch durchs Band durch alle Modelle zieht, ist die zu hohe Sitzposition für grosse Personen.
Seal: Unauffällig gut
In der getesteten Limousine Seal konnte ich mir während einer Probefahrt von den Fähigkeiten des Chinesen einen ersten Eindruck verschaffen. Während BYD beim Infotainmentsystem und der Ambientebeleuchtung etwa auf viel Bling und effekthascherische Darbietungen setzt, ist das Fahren in der Elektrolimousine entspannt, ruhig und unaufgeregt – aber auf eine sehr vernünftige Art gut. Das Topmodell fährt mit seinen 390 kW Leistung zwar auf Wunsch schnell, verzichtet aber selbst im Sport-Modus auf den zu heftigen Antritt. Stattdessen ist der Seal der perfekte Gleiter: Er federt sanft und ist dank Doppelverglasung und eines sehr guten cW-Werts auch ausgesprochen leise. Die Limousine ist weder besonders sportlich, noch lädt sie zu einer rasanten Fahrt ein – aber da BYD auch nicht das Wort Performance nennt, das heute beinahe inflationär verwendet wird, entspricht das Auto letztendlich den Erwartungen.
Während der kurzen Probefahrt war es schwierig, dem Auto eine fahrdynamische Eigenständigkeit zu attestieren. Dafür setzten die Chinesen auf neuartige melodische Klänge: Das Geräusch, das die Autos bei langsamer Fahrt aussen von sich geben, erinnert an eine Märchenwelt – ohne Übertreibung. Und auch der Blinker gibt ein befremdliches Geräusch von sich, an das man sich wahrscheinlich aber rasch gewöhnt. Wie es um die Zuverlässigkeit der Assistenzsysteme sowie um den Praxisverbrauch steht, muss ein ausführlicherer Test zeigen.
Grosse Ambitionen
Dass sich die Chinesen nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, wurde am Launch-Event deutlich. Per Video wurden Technologien gezeigt wie der 360-Grad-Turn (Yangwang U8) oder das Auto, das springen kann (Yangwang U9). Yangwang ist der Luxus-Ableger von BYD, während die Premium-Marke Denza wohl in absehbarer Zeit ebenfalls Premiere in der Schweiz feiern dürfte. Über einen möglichen Markteintritt von Yangwang wurde nichts gesagt, doch aufgrund der hohen Kaufkraft hierzulande wäre es eigentlich eine cleverer Schritt, die Highend-Modelle hier ebenfalls anzubieten.
Ein weiteres Proof of Concent und wahrscheinlich auch das praktischste von allen, war die Demonstration des Aufladens mit einem Megawatt – damit kann ein Akku innert fünf Minuten auf rund 80 % aufgeladen werden, womit das Aufladen endgültig auf dem Zeitniveau eines Tankvorgangs angelangt wäre. Die dazu erforderlichen Ladestationen mit einer Maximalleistung von 1360 Watt existieren zumindest als Prototyp ebenfalls schon. Natürlich ist das – Stand heute – noch Zukunftsmusik, aber die Chinesen meinen es ernst mit ihrer Forschung und man darf ihre Innovationskraft auf keinen Fall unterschätzen.
Kompetitive Preise
Ein weiteres sehr starkes Argument sind die Preise der drei Modelle, mit denen BYD in der Schweiz startet. Die Limousine Seal ist ab 48’990 Franken erhältlich, das SUV Sealion ab 49’990 Franken und der PHEV Seal U DM-i ab 42’990 Franken. Leisstungsstärkere Varianten mit Allradantrieb der reinen Stromer kosten rund 5000 Franken mehr und wir sprechen dann von einer Leistung von 390 kW. Mit diesen Preisen liegt BYD im Wettbewerbsumfeld eher tief. Dazu kommt, dass BYD im Gegensatz zu Wettbewerber Tesla auf klassische Vertriebshändler setzt. Zu Beginn sind ein Store in Zürich und zwei im Tessin eröffnet, bis Ende des Jahres möchte BYD bereits 15 Handelspartner haben. Der Aufbau des Händlernetzes soll im nächsten Jahr anschliessend rasant fortschreiten. Gut möglich also, dass unser Strassenbild schon sehr bald um diverse BYD-Modelle erweitert wird. Wie gut die Autos wirklich sind, wird ein späterer Test zeigen!


