DS3 Crossback: Der Preis des Styles

Die französische Nobelmarke DS erweitert ihr Portfolio mit dem DS3 Crossback nach unten. Wie es für die Franzosen typisch ist, versuchen sie sich über das Design von der Masse abzuheben und den Preis zu rechtfertigen. Kleines Auto, mässiger Nutzwert, dafür viel französischen Chic und ein gesalzener Preis – kann diese Rechnung aufgehen?

Die gewünschte Portion Extravaganz kann das Aussendesign jedenfalls schon mal bieten. Das beginnt mit den auffällig geschwungenen, vertikalen LED-Tagfahrlichtern. Die Seitenansicht profiliert sich mit den bündigen Türgriffen sowie der markanten Haifischflosse hinter der B-Säule. Das Heck wiederum wirkt clean elegant, auch dank den schmalen Rücklichtern.

2019 DS3 Crossback
Vorne eher wild, zeigt sich der DS3 von hinten ruhig.

Damit wählen die Franzosen zwar eher einen sportlichen als eleganten Weg, doch die Rechnung geht auf, denn der DS3 wirkt nicht bullig oder aggressiv und dennoch hebt er sich deutlich von der gesamten Konkurrenz und von den PSA-internen Geschwister Opel Corsa und Peugeot 208 ab.

2019 DS3 Crossback
Die Türgriffe sind bündig und fahren automatisch aus, sobald man sich dem Auto nähert.

Fancy Interieur

Auch im Innenraum geht man bei DS bewusst andere Wege. Die Mittelkonsole ist mit den kunstvoll gestalteten Fensterhebern ein Eyecatcher, ausserdem finden sich unterhalb des Touchscreens speziell angeordnete Sensortasten. Im Falle der getesteten Performance Line ist das Interieur weitgehend in schwarzes Alcantara gehüllt. Wer es besonders edel wünscht, hat die Möglichkeit, helles Leder mit Rautensteppung zu bestellen, welches sich sogar am Lenkrad wiederfindet. Das ist in dieser Klasse einzigartig!

2019 DS3 Crossback
Im Cockpit setzen die Franzosen auf Alcantara und das Rautenmuster. Das zentrale Display hinter dem Lenkrad ist sehr klein.

Alles chic, alles gut? Leider nicht ganz. Die Sensortasten sehen zwar gut aus, sind der Bedienung aber nicht sehr zuträglich. Und über das PSA-Infotainmentsystem habe ich schon mehrmals gesagt, dass es punkto intuitiver Bedienung zu seinen Lebzeiten keinen Award mehr verdient. Abgesehen von der Alcantara-Verkleidung sind die verwendeten Materialien klassenüblich, die Verarbeitung ebenso. Premium beschränkt sich beim DS3 Crossback auf hochwertige Textilien. Die Raumausnutzung ist eher schlecht, hinten ist es zudem nicht nur eng, sondern aufgrund der kleinen Fenster auch noch finster.

2019 DS3 Crossback
Die Mittelkonsole wird dank den Fensterhebern zum kleinen Kunstwerk.

Französischer Sportmuffel

Von der besagten Performance Line sollte man sich nicht in die Irre führen lassen. Abgesehen von der Optik hat der DS3 Crossback nämlich herzlich wenig mit Performance am Hut. Das Fahrwerk ist total auf Komfort ausgelegt und zwar so sehr, dass er die meiste Konkurrenz, die einen Mittelweg sucht, in dieser Kategorie ausstechen kann. Der DS3 ist geschmeidig, leise und gemütlich. Auf der Autobahn fühlt er sich somit eine ganze Klasse höher an.

2019 DS3 Crossback
Hinten ist nicht mehr viel Platz und das Fenster zum rausschauen hat gefühlt Flugzeug-Grösse.

Die Kehrseite ist dafür logisch: Selbst im Sport-Modus neigt und wankt der kleine Crossover, gerät aber nicht ins Untersteuern, weil das ESP humorlos und rigoros eingreift. Obwohl er mit 1300 Kilo kein dicker Brocken ist, wirkt er mit dem 96 kW starken Dreizylinder nicht besonders spritzig. Die stärkere Variante mit 114 kW wäre daher empfehlenswert, zumal der Verbrauch aufgrund derselben Hardware kaum höher sein dürfte.

2019 DS3 Crossback
Die straff gepolsterten Sitze sind bequem bei gutem Seitenhalt.

Üppiges Technik-Arsenal

Wieder einen Hauch Premium ins Auto kommt durch die Assistenztechnologie. So verfügt der schicke Franzose beispielsweise über einen Stau-Assistenten, Matrix-LED-Licht sowie die Möglichkeit, semi-autonom über die Autobahn zu fahren. Das ist in dieser Klasse noch nicht selbstverständlich, ebenso wenig wie das Head-up-Display, obschon es lediglich via Plexiglas dargestellt wird.

2019 DS3 Crossback
Der Kühlergrill ist im Falle der Performance Line Schwarz gehalten.

Selbstbewusster Preis

Als noch junge Marke – selbst wenn sie über eine grosse Vergangenheit verfügt – versucht DS, seine Modelle bewusst anders zu positionieren. Der DS3 Crossback kann sich durch sein äusserst ruhiges Fahrverhalten, der modernen Technik sowie natürlich dem verspielten Design von der Konkurrenz abheben. Den sportlichen Teil überlässt er dafür lieber anderen und wer auf der Suche nach einem praktischen Auto ist, sollte ebenfalls einen grossen Bogen um den Franzosen machen.

2019 DS3 Crossback
Die Liebe zum Detail findet sich an verschiedenen Orten am ganzen Auto wieder.

Dass Designer-Produkte viel kosten, trifft auch auf den Crossover zu. Der nahezu komplett ausgestattete Testwagen kommt auf einen – ich nenne es mal mutigen – Preis von 47’640 Franken. Viel Geld für wenig Auto, vor allem, wenn man das im PSA-internen Umfeld vergleicht: Der Citroën C5 Aircross Testwagen, der deutlich geräumiger ist, über einen stärkeren Antrieb verfügt und beim Komfort nochmals ein Level höher liegt, kostete 48’070 Franken. Ein vernachlässigbarer Mehrpreis. Für den DS3 Crossback wiederum bedeuet dies, dass er einen besonders starken «haben will» Effekt auslösen muss, damit man über den hohen Preis hinwegschaut.

2019 DS3 Crossback
Die Silhouette ist einzigartig und schafft einen hohen Wiedererkennungswert.

Alltag 3.5 out of 5 stars

Zwar ist der DS3 handlich, doch den Crossover-Vorteil puncto Raumausnutzung holt er sich nicht: Der Fond ist dunkel und eng, der Kofferraum gerade mal durchschnittlich. Auch bei der Interieur-Gestaltung ging Design vor Ablagemöglichkeit.

Fahrdynamik 2.5 out of 5 stars

Wie jedes DS-Modell ist auch der DS3 Crossback dem Komfort verpflichtet. Das hat natürlich Einfluss auf die Fahrdynamik: Massive Seitenneigung, rigoroses ESP, mässiges Ansprechverhalten. Zwar gibt es einen Sport-Modus, aber abgesehen von einer niedrigeren Gangwahl passiert nicht viel.

Umwelt 3.5 out of 5 stars

Trotz des verhaltenen Temperaments ist der Dreizylinder mit einem Testverbrauch von 7,2 l/100 km nicht besonders sparsam. Immerhin hat DS aber auch eine rein elektrische Variante im Angebot. Diese kostet ausstattungsbereinigt aber rund 6000 Franken mehr.

Ausstrahlung 5 out of 5 stars

Optisch durchbricht der DS3 das Einerlei und fällt auf. Ausserdem haben sich die Designer wirklich bemüht, markante Details wie die bündigen Türgriffe, die Lichter oder die Haifischflosse einzubauen. Doch das Design muss stimmen, schliesslich wird damit wenigstens teilweise der hohe Preis rechtgefertigt.

Fazit 4 out of 5 stars

+ Auffälliges Design mit viel Liebe zum Detail
+ Schickes Cockpit mit eigenständigem Stil
+ Je nach Ausstattung hoher Leder- oder Alcantara-Anteil
+ Bequeme Sitze, top Ergonomie
+ Weiches Fahrwerk, sehr hoher Fahrkomfort
+ Treffsicheres, sanftes 8-Gang-Automatikgetriebe
+ Sehr effektive Geräuschdämmung
+ Verhältnismässig geringes Gewicht
+ Hoher Assistenz-Standard (Matrix-Licht, Stau-Assistent)

– Hoher Preis
– Bedienung vom Infotainmentsystem nicht ganz intuitiv
– Knappe Platzverhältnisse
– Drehfauler Dreizylinder-Benziner ohne jegliche sportliche Ambitionen

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellDS3 Crossback Performance Line
Preis Basismodell / Testwagen31 400 CHF / 47 640 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1198 ccm / R3
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe 8-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung96 kW bei 5500 r/min
Max. Drehmoment230 Nm bei 1750 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h9,2 s
Vmax200 km/h
WLTP-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6,7 l/100 km / 152 g/km / B
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz7,2 l/100 km / 163 g/km / +7%
Länge / Breite / Höhe4,12 m / 1,80 m / 1,53 m
Leergewicht1310 kg
Koffer­raum­volumen350 l - 1050 l

Bilder: Koray Adigüzel

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