Grundsätzlich ist der Auftritt eines Range Rover Sport ohnehin schon eine Klasse für sich: Hohe Front, riesige, glatte Flächen und dennoch ein in sich ruhendes Design. Doch weil mehr immer geht und sich das «mehr» auch gut und teuer verkaufen lässt, hat sich die Special Vehicles (SV) Abteilung dem Range Rover Sport angenommen. Herausgekommen ist der Range Rover Sport SV, der hier im Test als Sondermodell SV Black präsentiert wird. Das grosse SUV versteht es überraschend gut, das an Dekadenz grenzende Gesamtpaket relativ subtil zu verpacken. Das ruhige Wesen eines Range Rovers sowie das erhabene Fahrgefühl bleiben natürlich auch in der höchsten Ausbaustufe vorhanden – mit dem Unterschied, dass der Brite neu eine ganz andere Seite zum Vorschein bringen kann.
Das komplett in Schwarz gehaltene Auto wirkt wie ein Monolith: Überall, glatte und bündige Flächen, selbst die leicht verspoilerte Front wirkt wie aus einem Guss. Dazu kommt, dass die Briten das Konzept «Black» bis ins Detail durchziehen: Sämtliche Logos, Schriftzüge und Embleme sind in Schwarz gehalten. Dasselbe gilt für Kühlöffnungen, Lüftungsgitter sowie die Abgasanlage. Dazu dunkel eingefasste Lichter, abgedunkelte Scheiben und natürlich schwarze Felgen. Erstaunlicherweise muss man feststellen, dass der Range Rover Sport SV Black mit diesem Look nicht die Anarchie einzuleiten scheint, sondern vielmehr dezent und elegant in sich ruht. Ich würde sogar so weit gehen und das Auto als Sleeper bezeichnen. Es gibt SUVs, da weiss man, dass es sich um Kriegsschiffe handelt. Beim komplett in Schwarz gehaltenen Range Rover Sport SV ist der Antritt dagegen deutlich verhaltener. Das dürfte vielen gefallen.

Schlichtes Cockpit, schwarzer Luxus
Das äusserlich durchexerzierte Konzept zieht sich auch im Innenraum durch. Man nimmt auf schwarzen Leder-Fauteuls Platz und blickt auf einen durchgehend mit schwarzem Leder oder schwarzem Mikrofaser verkleideten Innenraum. An der Mittelkonsole und als Zierelement kommen schwarz hochglänzende Flächen zum Einsatz, die aber erfreulich resistent gegen Fingerabdrücke sind. In feinstem britischen Englisch schreiben die Briten von Materialien in «Gloss Grand Black», von Bedienelementen in « Gloss Black Ceramic» sowie einem Innenraum-Ambiente, das ein «sophisticated Narvik black treatment» verspricht. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Das reduzierte Ambiente strahlt auch im Innenraum eine Oase der Ruhe aus. Ohne die herrliche Pressemeldung zu wörtlich zu nehmen, muss ich zugeben, dass das Konzept aufgeht: Schwarz in Schwarz in Schwarz strömt mit der Form und der Grösse des Autos, Luxus, Ruhe und Understatement aus. Und genau dafür steht Range Rover. Ebenfalls stimmig sind die Wertigkeit der Materialien sowie die Verarbeitungsqualität. Das Auto wirkt, als könne es niemals auch nur ansatzweise knarzen, alles wirkt schwer, solide und qualitativ vom Feinsten – aber nichts anderes erwartet man in einem englischen Spitzenmodell.

Ansonsten ist auch das Sondermodell ein normaler Range Rover Sport was das Infotainment oder die Platzverhältnisse angeht. Ersteres ist zwar intuitiv zu bedienen und bietet ein tolles Navi, doch die Sprachsteuerung lässt arg zu wünschen übrig. Und was die Platzverhältnisse angeht, so reist man wie immer feudal in einem Range Rover, doch gemessen an der doch ausufernden Grösse ist der Wagen innen gar nicht so gross, wie man meinen könnte.

Brite mit deutschem Herz
Zum Wesentlichen: Unter der Haube schlummert kein Kompressor-Triebwerk mehr wie beim Vorgänger, sondern die 4,4-Liter V8-Biturbo-Maschine von BMW, welche den höherklassigen und schweren M-Modellen ordentlich Feuer unter dem Heck macht. Doch egal, wie beeindruckend das Datenblatt bei einem Range Rover auch sein mag, oberste Priorität ist es, stets das maximale Range Rover Feeling zu bewahren, was auch bei der jüngsten Generation gelingt. Der Motor grummelt dezent im Hintergrund, die Sitzposition ist königlich, der Geräuschpegel ist wie in einer Kirche und das Auto scheint nicht auf die Strasse zu reagieren, sondern die Strasse zu plätten. Das Gefühl, man könnte über jeden erdenklichen Weg bis ans Ende der Welt fahren, stellt sich zu 100 Prozent ein. Es gibt zwar viele grosse SUVs, aber diese Erhabenheit, die ein Range Rover ausstrahlt, ist kaum zu kopieren.

Ebenfalls von der dynamischen Potenz unberührt sind gemäss Hersteller die Geländefähigkeiten. Dafür bedarf es allerdings auch entsprechender Bereifung. Mit den serienmässigen Michelin Pilot Sport 4 All Season ist das Auto deutlich auf Asphalt-Performance optimiert – und die hat es verdammt nochmal in sich. Zwar verfügt der SV wie jeder andere Range Rover auch über einen Dynamic-Modus, der aber hauptsächlich das Vorspiel abliefert. Die Geheimwaffe ist der neue SV-Modus, der den ansonsten so gesitteten und gelassenen Range Rover um 180 Grad dreht.

Verblüffende Handling-Qualitäten
Der Biturbo-Motor hat eine ganz andere Charakteristik im Vergleich mit dem Kompressor-V8 des Vorgängers. Während letzterer mit der Vehemenz einer Abrissbirne zu Werke ging, benötigt der das Biturbo-Triebwerk Drehzahlen. Unter 3000 Umdrehungen geschieht nicht sonderlich viel, dann geht es kräftig voran, um bei 5500 Umdrehungen die letzte Eskalationsstufe bis auf über 7000 Touren zu starten. Ungewohnt für so einen Koloss, nüchtern betrachtet auch etwas unpraktischer, aber andererseits: leider geil. Ein Hochdrehzahl-Performancemotor in einem Range Rover? Kann man machen! Ausserdem liefert das Triebwerk richtig ab: Range Rover beschreibt den Sport SV als schnellsten Range Rover aller Zeiten. Natürlich musste das getestet werden, und mit erreichten 292 km/h auf dem Tacho lehrt der Range Rover ganz vielen anderen Autos auf der deutschen Bahn das Fürchten. Soundmässig für heutige Verhältnisse eine Wonne, doch verglichen mit dem brutalen Vorgänger-Motor ein Mauerblümchen.

Damit der rund 2,6 Tonnen schwere Koloss sich auf der Autobahn nicht wie ein Schaukelpferd anfühlt und gut ums Eck geht, haben die Briten im SV-Modus sämtliche Register gezogen. Das Auto versteift sich deutlich, die Fahrwerkshärte ist extremer als alles, was man bislang von Range Rover kannte. Ausserdem ist die Hardware auf die hohen Belastungen ausgelegt: Brembo-Bremsanlage mit sensationellem Druckpunkt (optional ist sogar eine monströse Keramik-Bremsanlage verfügbar). Range Rover hat ferner ein Fahrwerk entwickelt, dessen Dämpfer allesamt hydraulisch miteinander verbunden sind. Das Auto kann so aktiv Nick- und Wankbewegungen unterdrücken, womit trotz des sehr hohen Gewichts und des hohen Aufbaus irre Kurvengeschwindigkeiten möglich werden.

Und wenn ich von Irre schreibe, dann meine ich tatsächlich völlig verrückt. Man kann kaum fassen, wie dieses schwarze Schlachtschiff sich behände in die Kurve wirft, immensen Grip aufbaut, stabil bleibt und hecklastig aus der Kurve schiesst. Und Obacht: Die Elektronik arbeitet mit britischem Humor. Selbst bei voll aktivem ESP ist Leistungsübersteuern möglich. Wer Hand am ESP anlegt, sollte also wissen, was er tut. Letzten Endes ist natürlich auch der Range Rover Sport SV nicht schneller oder agiler als ein echter Sportwagen. Aber für ein SUV seines Kalibers ist es einfach nur absurd, was fahrdynamisch möglich gemacht wurde. Man kann als Fahrer mehrfach kaum fassen, dass man derartig wilde fahrdynamische Manöver mit diesem wild gewordenen, 2,6 Tonnen schweren Kasten unter dem Hintern durchgeführt hat.

Technisch und preislich oberste Liga
Mit dem Range Rover Sport SV haben die Briten die eierlegende Wollmilchsau im oberen Luxussegment realisiert. Das Auto bietet maximalen Fahrkomfort. Auf Asphalt ist das Auto angesichts der Masse und der Bauart extrem dynamisch. Mit der richtigen Bereifung kann der Range Rover Sport SV richtig grob ins Gelände. Dazu kommen 3,5 Tonnen Anhängelast sowie eine dankbare Bedienung, womit alle nervigen Assistenzsysteme mit einem Klick deaktiviert werden können. Zu guter Letzt das Design. Das Auto kann sowohl halb im Schlamm stehen, an der Promenade flanieren, in der Boxengasse lauern oder vor einem Luxushotel posieren. Und es sieht einfach immer gut aus. Mit einem gemessenen Durchschnittsverbrauch von 13,4 l/100 km (deutsche Autobahn exkludiert) ist das Auto angesichts des zelebrierten Überflusses nicht einmal übermässig verschwenderisch beim Spritverbrauch. Und obschon ein Preis von 238’100 Franken für das Auto wie abgebildet zunächst Schnappatmung verursacht, so gibt es doch einige Konkurrenzmodelle, die in ähnlichen Leistungsregionen wildern und noch teurer sind. Von daher: In allen Disziplinen hervorragend. Die Briten haben hier nicht nur viel Schein auf die Strasse gestellt, sondern ein durch und durch überzeugendes Luxus-Gefährt.

Alltag 
Viel Platz für alle Insassen (obwohl im Verhältnis zur Grösse auch noch mehr Platz wünschenswert wäre), ein grosser, kubischer Kofferraum, absenkbares Luftfahrwerk sowie 3,5 Tonnen Anhängelast. Für Entspannung im Alltag sorgen alle erdenklichen Komfortfeatures sowie die Allradlenkung, womit der Koloss verhältnismässig einfach zu manövrieren ist.
Fahrdynamik 
Wenn die Turbos laufen, dann schiebt der V8 unerbittlich an. Fast 300 km/h sind absurd für einen Range Rover. Dazu kommen ein hochpotentes Fahrwerk, eine bissige Bremsanlage sowie ein Fahrwerk, dass viel Bewegungen aktiv unterdrückt. Fühlt sich wahnsinnig schnell an – und es ist auch wahnsinnig schnell. Dieses Auto macht einem beinahe Angst.
Umwelt 
Was soll man erwarten, wenn ein V8-Hochdrehzahltriebwerk 2,6 Tonnen wiederholt maximal beschleunigen muss? Unter 10 Liter sind nahezu unmöglich, doch selbst bei häufig sportlicher Fahrweise eskaliert der Verbrauch mit 13,4 l/100 km im Test nicht komplett.
Ausstrahlung 
Dieses Auto kann man einfach überall hinstellen und es sieht gut aus. Wer es nicht weiss, erkennt auch gar nicht, dass es sich um ein schönes und teures Sondermodell handelt. Dieses in sich ruhende Design ist ebenfalls Teil des Luxuskonzepts.
Fazit 
+ Zeitloses Design komplett in Schwarz. Luxus-Understatement neu definiert
+ Erstklassige Ergonomie
+ Grosszügige Platzverhältnisse
+ Verschwenderischer Komfort an Bord
+ Haptik und Verarbeitungsqualität auf höchstem Niveau
+ Einfache und intuitive Bedienung
+ Erstklassiger Fahrkomfort
+ Geräuschpegel so tief wie es nur geht
+ Allradlenkung
+ Drehfreudiger Motor mit ordentlich Wumms und tollem Sound
+ Grip ohne Ende
+ Kaum Wank- und Nickbewegungen
+ Bissige Bremsanlage mit üppiger Leistungsreserve
+ Hecklastiger Allradantrieb
+ ESP dreistufig deaktivierbar
+ Preislich trotz Luxus-Sondermodell nicht komplett übertrieben
– Innenraumgrösse gemessen an Aussengrösse nicht überragend
– Sprachsteuerung kaum brauchbar
– Hoher Verbrauch
Mängel am Testwagen
– Keine Mängel
Steckbrief
| Marke / Modell | Range Rover Sport SV |
|---|---|
| Preis Basismodell / Testwagen | 210'000 CHF / 238'100 CHF |
| Antrieb | Benzin, Allradantrieb |
| Hubraum / Zylinder | 4395 ccm / V8 |
| Motoranordnung / Motorkonzept | Frontmotor / Biturbomotor |
| Getriebe | 8-Gang-Automatikgetriebe |
| Max. Leistung | 467 kW bei 6000 - 7000 r/min |
| Max. Drehmoment | 800 Nm bei 1800 - 5855 r/min |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 3,8 s |
| Vmax | 290 km/h |
| WLTP-Verbrauch/CO₂-Emissionen / Energieeffizienz | 12,0 l/100 km / 272 g/km / G |
| Test-Verbrauch /CO2-Emissionen / Differenz | 13,4 l/100 km / 304 g/km / + 12% |
| Länge / Breite / Höhe | 4,97 m / 2,04 m / 1,82 m |
| Leergewicht (ohne Fahrer) | 2610 kg |
| Kofferraumvolumen | 647 - 1491 l |




























Bilder: Koray Dollenmeier