Subaru WRX: Oldschool-Charme

Nur richtige Petrolheads werden verstehen, wenn ich sage, dass die meisten neuen Autos weder Charakter noch Ecken und Kanten haben. Möglichst massentauglich muss alles sein, glatt geschliffen (nicht nur optisch) und natürlich dem CO₂‑Diktat der EU-Regierung unterworfen – sprich, einen «richtigen» Motor sucht man heute vielerorts vergebens. Das betrifft alle, deren Traumauto unter 150 000 Franken kosten sollte, also die allermeisten von uns. Glücklicherweise setzt sich all.cars für uns ein. Die Jungs haben nicht nur den herrlich mechanisch-analogen Nissan Z der Schweiz zugänglich gemacht, sondern jetzt eben auch noch den Subaru WRX. Im Test zeigt der fast schon eingebürgerte japanische Haudegen, wie viel Sport und Feeling man mit echter Mechanik noch vermitteln kann!

Rein optisch muss nicht viel erklärt werden. Nicht nur Fans erkennen den Sportler unter den Subis auf Anhieb. Wobei kurz erwähnt werden muss, dass hier nicht die gröbste Eskalationsstufe STi vor uns steht, wie es damals noch der Fall gewesen ist, als das Auto offiziell von Subaru importiert worden ist. Stattdessen handelt es sich um die etwas schwächere WRX-Variante, doch optisch merkt man das höchstens daran, dass der markante Spoiler fehlt. Ansonsten ist alles da: Bissige Front, riesige Lufthutze auf der Motorhaube, sportliches Bodykit und vier grosse, eckige Endrohre, die viel Ohrenschmaus versprechen. Überhaupt ist STi leider fast nicht mehr vorhanden. Meines Wissens gibt es ein auf 500 Einheiten limitiertes STi-Modell der aktuellen Generation, aber mit CVT-Getriebe und weniger Leistung als der damalige STi. Braucht man nicht zu verstehen.

2025 Subaru WRX
Das Blau ist das legendäre Rallye-Blau. Fehlen nur noch die goldenen Felgen.

Funktional, aber einfach

Das Subaru-Modell, dessen Interieur einen Designer-Preis verdient, muss wohl erst noch entwickelt werden. Auch der WRX ist eher markentypisch hemdsärmelig, ohne optische Gimmicks. Ein paar Velourseinlagen sorgen für ein wohnliches Ambiente, ausserdem sehen die retromässigen Recaro-Sitze genauso gut aus. Ebenfalls ein optischer Leckerbissen ist der mechanische Handbrems-Hebel mit titanblauem Knopf. Ansonsten sind Haptik und Verarbeitungsqualität solide, aber nicht mehr – die Stärken liegen woanders.

2025 Subaru WRX
Funktionales und hemdsärmeliges Cockpit-Design. Intuitiv, aber wenig stylisch.

Die Platzverhältnisse etwa sind üppig, so sitzt man hinten auch als grosser Erwachsener ordentlich. Pluspunkte verdient ausserdem die Bedienung. Kein verschachteltes Infotainment, sondern ein schön integrierter, vertikaler Touchscreen mit grossen Kacheln, um auch während der Fahrt mal etwas treffsicher anzuklicken. Ausserdem ist die Klimaeinheit fest am unteren Bildschirmrand angepinnt und für die Temperatur gibt es physische Knöpfe. Ein Navi ist nicht an Bord, was aber mittels Smartphone-Integration souverän ausgeglichen werden kann. Was ebenfalls nicht an Bord ist: Mühsame Assistenzsysteme, die nach dem Motorstart erst mal deaktiviert werden müssen. Hier heisst es: Startknopf drücken und auf geht’s!

2025 Subaru WRX
Analoge Mechanik pur. Beide Hebel sind vom Aussterben bedroht.

Fahrfeeling voller Charisma

Das dunkle Grollen, das sich beim Kaltstart einstellt, klingt für heutige Verhältnisse schier unglaublich. Es ist fast in Vergessenheit geraten, wie gut, herrlich und frei selbst ein Vierzylinder klingen kann, wenn die Abgasanlage stimmt. Mit den optionalen STi-Endtöpfen hat der Subaru WRX auf jeden Fall schon mal ein riesiges Argument für den Kauf abgeliefert! Darüber hinaus feiere ich abermals die Einfachheit des Autos. Fahrmodi sucht man im Subaru ebenfalls vergebens, der Gang ist das einzige, was eingestellt wird. Über das knochig-harte Getriebe wird der erste Gang eingelegt und los geht’s.

2025 Subaru WRX
Die OPF-freie Abgasanlage ermöglicht dem Boxermotor einen grollenden Klang.

Das ganze Auto fühlt sich an wie eine Zeitreise in die 2000er-Jahre. Das Auto grollt und grummelt vor sich hin, der Sound ist echt erste Sahne. Alles vibriert und die Fahrwerksabstimmung ist kein Kompromiss, sondern einfach hart – so, wie sich ein Sportauto halt anfühlen soll! Durch die kurze Getriebeübersetzung greift man ausserdem häufig zum Schalthebel, was dem Fahrspass schlussendlich nur förderlich ist.

2025 Subaru WRX
Die typische Lufthutze für den Ladeluftkühler darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Gänzlich ohne Manieren ist der Subaru aber nicht. Das Boxertriebwerk lässt sich überraschend niedertourig fahren, sofern man das möchte. Allzu viel erwarten sollte man puncto Verbrauch aber lieber doch nicht. Subarus Boxermotoren und der symmetrische Allradantrieb waren noch nie berühmt für ihre Effizienz und der WRX ist der Letzte, der diese Tatsache ändert. Die nervigsten Assistenzsysteme – ISA und Spurhalteassistent – bleiben US-Modell sei dank aussen vor, respektive für alle Ewigkeit deaktiviert. Dankbar angenommen habe ich dafür den zuverlässigen Tot-Winkel-Warner sowie den feinfühligen Abstandstempomat, der auch bei Gangwechseln aktiv bleibt und infolgedessen auch bei weniger flüssigem Verkehr trotz Handschaltung seinen Zweck vollumfänglich erfüllt. Leider gibt aber der Notbremsassistent Anlass zur Kritik. Trotz der tolerantesten Einstellung sind im kurzen Test gleich zwei Bremsungen initiiert worden – ohne akute Gefahr, dafür mit Schreckmoment.

2025 Subaru WRX
Die Brembo-Bremsanlage wäre auch einem STi-Modell gewachsene – oder ein wenig Motorturning.

Allrad-Performance

Wenn man das Auto nüchtern betrachtet, dann verrät bereits das Datenblatt, dass der Subaru WRX bezüglich Power kein Ausrufezeichen setzt: 202 kW und 350 Nm in dieser Gewichtsklasse nimmt der Petrolhead anno 2026 mit einem knappen Nicken zur Kenntnis. Doch die Realität ist halt wie so oft nicht dasselbe wie ein Datenblatt. Ich will jetzt nicht sagen, dass der WRX Schub einen umhaut, aber die Art und Weise, wie das Ganze serviert wird, ist trotz überschaubarer Leistung ein kleines Fest: Zackiges Ansprechverhalten, üppiges Drehmoment untenrum und saubere Drehfreude sowie Punch bis zum Begrenzer zaubern einem jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, vom Sound ganz zu schweigen! Der Japaner untermauert, dass etwas mehr Hubraum und vor allem das Nichtvorhandensein des gottverdammten OPFs den Motor um Welten lebendiger erscheinen lässt! Etwas schade ist lediglich, dass bei 6000 Umdrehungen bereits Schluss ist – im Wissen, dass das Potenzial des 2,4-Liter-Boxers mit Turbo im WRX bei weitem nicht ausgereizt ist.

2025 Subaru WRX
Nicht übermotorisiert, aber schöne Drehfreude, Klang und Ansprechverhalten.

Selbstredend sind mit dem legendären symmetrischen Allradantrieb Grip und Traktion kein Thema. Das Auto wirkt wie festgeklebt auf der Strasse, selbst wenn im ersten Gang voll durchgeschaltet wird. Insgesamt fühlt sich das Auto sehr neutral an. Die Sportlichkeit liegt dem Auto in den Genen, aber es fehlt auf trockenem Asphalt das letzte Quäntchen Schärfe. Das Einlenkverhalten könnte etwas mehr Direktheit vertragen und in sehr schnell gefahrenen Kurven fehlt ein Sperrdifferential. Tut das dem Fahrspass einen Abbruch? Ganz und gar nicht.

2025 Subaru WRX
Der Subaru WRX ist kein Überperformer bei Trockenheit. Er ist ein Dauerperformer, egal, was die Witterung macht.

Ich möchte nur festhalten, dass das Auto kein skalpellmässiger Sportwagen ist. Dafür – und das ist für einen Subaru fast wichtiger – ist das Auto extrem berechenbar und wohl der beste Allround-Sportler im Segment. Egal, ob es in Strömen regnet, schneit oder der Asphalt im Ausland mal eine sehr miese Qualität aufweist: Der Subaru WRX regelt das. Und zwar auf seine ganz eigene, charismatische Art, die einem stets besagt, dass auch bei schlechten Bedingungen das Gaspedal nicht zimperlich behandelt werden muss. Zwei weitere Stärken möchte ich ferner noch hervorheben. Dass das ESP selbst bei hartem Einsatz auf nasser Strasse kaum regelt, spricht dafür, wie neutral, stabil und sauber abgestimmt das Auto ist. Zu guter Letzt überzeugt die Brembo-Bremse auf ganzer Linie. Sie bietet konstant einen festen Druckpunkt, verzögert bissig und würde wohl auch bei höherer Motorleistung locker mithalten können.

2025 Subaru WRX
Die Recaro-Sitze erinnern an vergangene Zeiten, stützen aber dennoch hervorragend.

Einer wie Keiner

Autofans muss ich nicht erläutern, dass es hierzulande kaum… Nein. Es gibt nicht kaum, es gibt kein einziges vergleichbares Auto als Neuwagen mehr. Ein sportliches, bezahlbares Auto mit Rallye-Genen und Handschaltung? Klingt wie der feuchte Traum eines Petrolheads, den all.cars wahrgemacht hat. Mit einem Preis ab 56’900 Franken zwar kein Schnäppchen, aber fair eingepreist. Immer einzukalkulieren ist der Durst des Boxermotors. Im sportlich gefahrenen Test lag der Verbrauch bei 12,5 l/100 km. Natürlich gibt es schnellere Allradler in ähnlichen Preisgefilden – entweder Elektroautos diverser Hersteller oder deutsche Hot Hatches, die in vergangenen Jahren auch schon hotter waren als dato.

2025 Subaru WRX
Auch analoge Instrumente gibt es heute kaum noch.

Aber schlussendlich ist das völlig egal. Die gesamte «Konkurrenz» eint durchs Band, dass sie gesichtslos, austauschbar, glatt geschliffen und mehrheitlich emotionslos ist. Der Subaru dagegen ist ein echtes Raubein, der das Fahren noch zelebriert und bei schlechter Witterung kein Warnlämpchen aufleuchten lässt, sondern erst so richtig aufblüht. Und wer trotz aller Fahrfreude gerne mit Zahlen jongliert, dem sei gesagt, dass der Subaru WRX mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich wertstabiler sein wird als all die R Golfs und BYDs. Eigentlich ein Neuwagen, der heute schon gleichermassen Klassiker wie Legende ist.

2025 Subaru WRX
Der Subaru WRX ist kein explosiver Sportwagen – er ist einer mit Charakter, Charisma und einer, der Schee als Disziplin und nicht Hindernis sieht.

Alltag 4 out of 5 stars

Gute Platzverhältnisse und auch ein üppiger Kofferraum, dessen Alltagstauglichkeit hat durch den kleinen Kofferraumdeckel limitiert wird. Der performante Allradantrieb macht das Auto fit für jede Art von Witterung und Belag.

Fahrdynamik 4.5 out of 5 stars

Durch und durch sportlich – nicht das Auto für die letzte Rille bei trockenen Bedingungen, dafür konsistente Leistung und Traktion bei schlechten Bedingungen. Geiler Sound, starke Bremse und ganz viel Fahrfeeling und Charisma!

Umwelt 2.5 out of 5 stars

Sagen wir es mal so: 10 Prozent weniger Verbrauch bei gleichzeitig 10 Prozent mehr Motorleistung würden die Balance ins Lot bringen. Der Boxermotor ist ein guter Trinker.

Ausstrahlung 5 out of 5 stars

Der Subaru WRX macht bereits optisch deutlich, was er ist: Ein Allrad-Sportler mit knackig-straffem Fahrgefühl und einem Design, dessen historischem Erbe er gerecht werden muss. Fehlen eigentlich nur die goldenen Felgen.

Fazit 4.5 out of 5 stars

+ Unverwechselbares Design und ikonische Lackfarbe
+ Üppige Platzverhältnisse
+ Einfache Bedienung
+ (Wahrscheinlich ungewollter) Retro-Charme im Innenraum
+ Knockig-präzises Schaltgetriebe
+ Straffes Fahrwerk für gute Strassenlage und viel Feeling
+ Sensationeller Motorsound
+ Linearer Kraftaufbau, viel Schwung bereits bei tiefen Drehzahlen
+ Unerschütterliche Traktion
+ Bissige Bremse mit tollem Druckpunkt
+ Keine nervigen Assistenzsysteme
+ Umfangreiche Ausstattung
+ Fairer Preis

– Hoher Verbauch
– Zu sensibler Notbremsassistent
– Haptik, Qualität und Innenraum-Ambiente gerade noch so ok
– Theoretisch wäre mit diesem Motor deutlich mehr Leistung möglich

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellSubaru WRX
Preis Basismodell / Testwagen56'900 CHF / 57'400 CHF
AntriebBenzin, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder2387 ccm / B4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang-manuell
Max. Leistung202 kW bei 5600 r/min
Max. Drehmoment350 Nm bei 2000 - 5200 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h6,0 s
Vmax235 km/h
WLTP-Verbrauch /CO2-Emissionen / Energieeffizienz9,0 l/100 km / 191 g/km / G
Test-Verbrauch /CO2-Emissionen / Differenz12,5 l/100 km / 265 g/km / + 39%
Länge / Breite / Höhe4,67 m / 1,83 m / 1,47 m
Leergewicht (ohne Fahrer)1556 kg
Kofferraumvolumen354 l

Bilder: Koray Dollenmeier

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