Es gibt Autos, die sieht man zum ersten Mal und weiss sofort: Das wird schwierig für die Konkurrenz. Nicht, weil sie alles besser machen, sondern weil sie unglaublich viele Dinge gleichzeitig richtig machen. Der neue Zeekr 7GT gehört genau in diese Kategorie. Während sich europäische Hersteller immer häufiger zwischen SUV und Crossover verlieren, bringt Zeekr einen betörenden, frech und flach gezeichneten Kombi auf den Markt – genau das, worauf europäische Käufer stehen. Vielleicht bin ich etwas vorschnell, aber die Art und Weise, wie Zeekr agiert und wie überzeugend ihre Autos sind, geben mir ganz klar das Gefühl, dass Zeekr gekommen ist, um zu bleiben. Und das wiederum bedeutet, dass sowohl andere Chinesen als auch Europäer im hiesigen Markt bluten werden.
Dabei wirkt der 7GT optisch gar nicht martialisch oder wie ein Krieger. Das Auto trägt die typische Zeekr-Designsprache: Flache Front mit der typischen schwarzen Blende über den Scheinwerfern, viele glatte Flächen, markante Kotflügel und ein sportlich-rundliches Heck. Nicht nur ich persönlich finde, dass das Heck stark an den Porsche Taycan Sport Turismo erinnert. Zufall oder hat Porsche tatsächlich als Inspiration gedient? Wer weiss. Jedenfalls ist das Heck der einzige Teil, der «das kenne ich irgendwoher»-Vibes verströmt. Der Rest, insbesondere die gestreckte und optisch abfallende Silhouette, setzen ein klares Statement. Dieses Auto ist ein Designerstück und es verspricht eine sportliche Fahrweise.

Qualität, die für sich spricht
Innen setzt sich der positive Eindruck fort. Zeekr verzichtet grösstenteils auf Experimente und kombiniert extrem hochwertige Materialien mit einem angenehm minimalistischen Cockpit. Viele Materialien sind nachhaltig aus recycelten Rohstoffen – man spürt es aber nicht. Im Gegenteil, die Haptik und die Verarbeitungsqualität sind weit über dem Listenpreis. Dazu kommt ein grosses Zentraldisplay, das zwar fast alle Funktionen übernimmt, dessen Menüstruktur aber erstaunlich logisch aufgebaut ist. Nach kurzer Eingewöhnung findet man sich problemlos zurecht und die sehr kompetente Sprachsteuerung unterstützt die Bedienung. Überhaupt fällt auf, wie ausgereift vieles bereits wirkt. Während man bei manchen chinesischen Herstellern noch das Gefühl hat, Beta-Tester zu sein, hinterlässt der Zeekr einen fertigen und vor allem europäischen Eindruck. Was aber bleibt, ist die Tatsache, dass ein paar Knöpfe mehr die Bedienung vereinfachen würden. Aber das bleibt wohl Wunschdenken.

Der chillige GT
Ich war mit der Allradversion unterwegs, die mit 475 kW Leistung und 710 Nm für Schnappatmung sorgt. Der Antritt ist im Sport-Modus giftig und beansprucht alle Sinneseindrücke auf einmal. Besonders cool: Ab rund 80 km/h wird der ohnehin schon brachiale Schub abermals aufgebaut. Doch das Auto wirkt nicht herausfordernd. Vielmehr vermittelt der 7GT eine fast schon gelassene Souveränität. Er muss niemandem etwas beweisen.

Auch das Fahrwerk kann sich sehen lassen. Gerade auf kurvigen Landstrassen fühlt sich der 7GT deutlich europäischer an, als ich erwartet hätte. Zwar fühlt sich selbst der Sport-Modus eher GT-mässig und nicht wirklich hart an. Doch Zeekr hat auch betont, dass das Auto eher nordische Gelassenheit statt das Temperament eines beispielsweise BMW‑M‑Modells an den Tag legen soll. Das Auto will auch keine Porsche-Vibes verströmen. Stattdessen kann man auch im Sport-Modus entspannt unterwegs sein.

Doch wer will, kann den Zeekr pushen, und zwar richtig. Der Schub ist ohnehin über alle Zweifel erhaben, doch auch der Grip sorgt für Erstaunen. Das Auto bleibt selbst in engagiert gefahrenen Kurven extrem lange stabil und auch das ESP greift nicht sofort ein. Die Lenkung agiert direkt und bietet viel Feedback – etwas, was man bei weitem nicht von vielen chinesischen Autos behaupten kann. Weiterer Pluspunkt: Die Bremse, die einen kaum Rekuperation spüren lässt, sondern motiviert zupackt und viel Kontrolle mit einem sauberen Druckpunkt vermittelt.

Zeekr spricht von einem sportlichen GT – ich würde von einem sehr sportlichen GT sprechen. Man muss schon hart zupacken, um das Auto an seine Grenzen zu bringen. Ich würde mal behaupten, nicht viele Fahrer pflegen einen solchen Fahrstil. Wer sich aber nur ein wenig vom «maximale Attacke»-Fahrstil distanziert, landet sofort im Sweet Spot vom Zeekr. Und das Coole ist ja, dass das Auto dann liefert und liefert und liefert. Keine Bremsermüdungen, kein Leistungsabfall, sondern einfach ein sportlicher Flow, der aufrichtig beeindruckend ist. Natürlich bleiben 2,4 Tonnen Leergewicht spürbar, aber mit dieser Problematik ist Zeekr nicht alleine.

Komfort meets Hightech
Beim Thema Komfort zeigt sich der Zeekr ebenfalls von seiner starken Seite. Windgeräusche bleiben selbst bei Autobahntempo erstaunlich dezent, Abrollgeräusche sind hervorragend gedämmt und die Sitze überzeugen auch auf längeren Etappen mit hohem Komfort, Lüftung und Massagefunktionen. Wie es um den Verbrauch im echten Leben steht, wird ein späterer, ausführlicher Test darlegen. Vielversprechend ist jedenfalls die moderne 800-Volt-Technik. Unter optimalen Bedingungen soll der 7GT in rund 13 Minuten von zehn auf achtzig Prozent laden können. Selbst wenn es dann 18 statt 13 sein sollen – Zeekr setzt Massstäbe in dieser Disziplin.

Echten Anlass zur Kritik gibt es anlässlich des Erstkontakts mit dem Auto kaum. Ernsthaft störend sind nur gewisse sensible Assistenzsysteme, die nach jedem Start deaktiviert werden müssen. Zwar bietet Zeekr dafür Shortcuts an, doch der sehr penetrante Spurhalteassistent ist erst dann wirklich aus, wenn man im entsprechenden Menü mehrere Reiter deaktiviert. Mühsam. Ein Klick sollte auch hier alles deaktivieren. Dann noch die Sitzposition. Zeekr verspricht ein «im Auto» sitzen statt ein «auf dem Auto». Nun, die Sitzposition ist für einen Stromer tatsächlich nicht schlecht. Aber eine wirklich sportlich-tiefe Position ist es weiterhin nicht, der flache Fachhimmel ist mir immer noch zu nahe. Zu guter Letzt ist die Lackauswahl dürftig, denn eine echte Farbe hat Zeekr für den 7GT nicht im Angebot.

Lehrt China Europa das Fürchten?
Wird Zeekr eigene Verkaufsrekorde brechen mit dem 7GT? Wer weiss, möglich wäre es. Viel spannender ist jedoch eine andere Frage. Wie reagieren die etablierten, hiesigen Hersteller auf ein Auto wie dieses? Denn genau hier liegt die eigentliche Stärke des Zeekr 7GT. Er ist nicht einfach nur ein weiteres chinesisches Elektroauto mit vielen Bildschirmen und hoher Leistung. Er fühlt sich wie ein fertig entwickeltes Premiumauto an. Eines, das sich weder beim Design oder der Verarbeitung verstecken muss – und schon gar nicht beim Fahrfeeling. Und den Messerstich in Richtung Europa setzt gar nicht das Auto selbst an, sondern die Marke. 59’900 Franken kostet das Auto – mit dieser Leistung und voller Ausstattung. Der Zeekr 7GT wird den Markt vermutlich nicht über Nacht umkrempeln. Er zeigt aber sehr deutlich, wie schnell die chinesischen Hersteller gelernt haben. Nicht Zeekr muss jetzt auf den Markt reagieren – sondern der Markt auf Zeekr.

Steckbrief
| Marke / Modell | Zeekr 7GT AWD |
|---|---|
| Preis ab | 59'990 CHF |
| Antrieb | Elektrisch, Allradantrieb |
| Akkukapazität | 100 kWh (brutto) / k.A. kWh (netto) |
| Max. Leistung | 475 kW |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 3,3 s |
| Vmax | 210 km/h (elektronisch abgeregelt) |
| WLTP-Verbrauch / Energieeffizienz | 19,8 kWh/100 km / C |
| WLTP-Reichweite | 558 km |
| Max. Ladeleistung (DC) | 480 kW |
| Länge / Breite / Höhe | 4,82 m / 1,91 m / 1,46 m |
| Leergewicht (EU-Norm) | 2405 kg |
| Kofferraumvolumen | 456 l + 65 l Frunk |





















Bilder: Zeekr