Der Zeekr 7X liefert die geballte Tech-Kompetenz, die Zeekr derzeit zu liefern hat. Doch nicht nur das, auch die klassischen Auto-Tugenden beherrscht das Auto fast schon beängstigend gut. Obendrauf kommt noch ein Preis, der absolut betrachtet zwar kein Schnäppchen, aber verglichen mit Wettbewerbern dennoch eine echte Kampfansage ist. Trotzdem ist der Zeekr 7X aber kein Wunder, denn hin und wieder steht sich das Auto mit seiner Technologie leicht selbst im Weg.
Optisch gibt sich das in Schweden designte SUV zurückhaltend. Glatte Flächen, leicht abfallende Dachlinie, flache Lichter rundum. Elegantes Understatement. Nicht auffallend, aber in meinen Augen sehr gefällig. Optische Hingucker sind die schwarze Leiste an der Front, die goldenen Bremssättel, die sportlich designten Felgen sowie die rahmenlosen Aussenspiegel. Dass ich während des Shootings von Passanten gefragt worden bin, ob dies ein neues Porsche-SUV ist, sagt eigentlich schon alles. Das Design wirkt; und zwar positiv, wenn es sogar mit einer Marke wie Porsche assoziiert wird. Spannend finde ich, dass am Heck der Zeekr-Schriftzug nicht beleuchtet ist, sondern sogar sehr dezent am unteren Rand der Heckscheibe steht. Wer nicht genau hinsieht und sich bislang nicht mit der Marke Zeekr befasst hat, findet von hinten betrachtet nicht heraus, was hier eigentlich vor einem steht.

Vorzüglicher Innenraum
Dies ist das mittlerweile dritte Zeekr-Review und ich kann nun mit Fug und Recht behaupten, dass Zeekr nicht nur mit gehobenen Premium-Worthülsen wirbt, sondern tatsächlich abliefert. Die Qualität ist einmal mehr durchweg auf sehr hohem Niveau. Alle Verkleidungen fühlen sich sehr wertig an, und dass einige Materialien einen rezyklierten Ursprung aufweisen, fühlt man zwar nicht, aber es unterstreicht den Willen des Herstellers, ein ökologisches Auto zu bauen. Dass über 2,5 Tonnen Leergewicht jetzt nicht der letzte Schrei in Bezug auf Nachhaltigkeit sind, lasse ich mal im Raum stehen, aber es ist ja nicht so, dass andere E-SUVs Leichtgewichte sind. Besonders gut gefallen mir Details wie die Lautsprecherabdeckungen aus echtem Aluminium oder das Druckgefühl der fünf physischen Bedienelemente unterhalb des Touchscreens. Es beweist, dass Zeekr sich wirklich Mühe gibt und nicht heimlich versucht zu sparen, sondern sicht- und fühlbare Qualität zu schaffen. Sehr sympathisch.

Das Raumgefühl ist sensationell. Man sitzt auf allen Plätzen ausgesprochen luftig und geniesst auch im Fond fürstliche Kopf- und Beinfreiheit. Auch hinten sind die Türverkleidungen genauso hochwertig wie vorne und selbst die Fondinsassen geniessen Komfort in Form von Sitzheizung, Lüftung und einer elektrisch verstellbaren Rückenlehne. Abermals gilt: Nicht zweite Klasse, sondern ein Bekenntnis zur Business-Klasse. Der sorgfältig ausgekleidete Kofferraum mit sattem Rollo, doppeltem Ladeboden und einstellbarer Aufschwinghöhe der Heckklappe rundet die hohe Alltagstauglichkeit ab. Zu guter Letzt ist auch noch eine schwingbare Anhängerkupplung an Bord, an die bis zu zwei Tonnen angehängt werden können.

Kommandozentrale mit Nachholbedarf in Deutsch
Bevor ich zum Infotainmentsystem komme, noch eine Besonderheit: Die Türen des SUVs sind alle vollautomatisch. Das heisst, sie öffnen und schliessen per Knopfdruck. Natürlich kann man manuell daran ziehen, ohne etwas kaputtzumachen, aber grundsätzlich muss man per Knopf öffnen und schliessen. Die Sensorik ist dabei sehr vorsichtig – Leitplanken, Steine, parkierte Autos und hohe Bordsteine wurden im Test immer zuverlässig erkannt und die Türe lässt stets einen Respektabstand zu allen Hindernissen. Somit werden weder das eigene Auto, noch Fremdeigentum beschädigt. Die Türen lassen sich auch via Touchscreen bedienen. Somit kann man Personen abholen, vorfahren und von innen alle Türen nach Bedarf öffnen. Cool und Wow-Effekt garantiert!

Das Infotainmentsystem selbst läuft stabil, flüssig und nach kurzer Eingewöhnung erfreulich intuitiv. Schade finde ich, dass das Klimamenü nicht permanent offenbleibt und die Lüftungsdüsen ebenfalls fummelig per Touchscreen bedient werden müssen. Wie schon beim Zeekr X ist auch beim 7X die Sprachsteuerung auf Deutsch sehr holprig. Auf Englisch funktioniert sie deutlich besser, aber immer noch nicht so perfekt, wie man es von Smartphones oder von den Benchmarks der Autohersteller kennt. Erstaunlich finde ich, dass der Zeekr 001 mit Abstand das älteste Modell von Zeekr, das in der Schweiz angeboten wird, über die beste Sprachsteuerung verfügt. Wohl ein Beweis, dass Software heutzutage wohl erst mal reifen muss, bevor sie perfekt wird. Schöne neue Welt, in die wir uns da hineinmanövrieren.

Ein fliegender Teppich namens Hulk
Fahrerisch wirft der Zeekr 7X bei mir Ausrufezeichen und Fragezeichen auf. Zunächst einmal die nüchternen Fakten: 475 kW und 710 Nm, ein klar komfortabel ausgelegtes Luftfahrwerk, eine semi-direkte Lenkung und ein sehr präzises Bremspedal mit klar definiertem Druckpunkt. Der Schub ist gigantisch und baut ab rund 80 km/h noch einmal auf. In der alten Welt etwa so, als würde der Turbo reinhauen, wirklich heftig! Die nackten Zahlen sind schon hoch, aber angeschts des hohen Gewichts fühlt sich die Leistung für mein Popometer sogar noch höher an, als würde Zeekr leicht untertreiben. Nicht, dass das grundsätzlich ein Problem wäre, aber mit dem Komfort-orientierten Fahrwerk drängt sich sogar mir die Frage auf, ob es so viel Leistung sein muss? Bremsanlage und Motorisierung sprechen eine Sprache, Lenkung und Fahrwerk hingegen eine andere. Dadurch ist der Zeekr 7X durchaus auf seine Art unterhaltsam zu fahren, aber ernsthafte Sportlichkeit ist trotz irrem Durchzug nicht vorhanden. Dafür ist das SUV beim Gleiten auf der Autobahn ein Gedicht: Exzellent abgeschirmt, ein vorzügliches Luftfahrwerk, etliche Massageprogramme – da möchte man eigentlich gar nicht ankommen.

Dann bleiben noch zwei Eigenheiten bezüglich der Bedienung. Einerseits hat der Wagen lobenswerterweise einen Mode-Knopf, mit dem ganz einfach zwischen den Fahrmodi gewechselt werden kann. Doch in den Individual-Modus oder von selbigen Weg gelangt man über diesen Knopf nicht. Ferner kann die Fahrwerkshärte unabhängig vom Fahrmodus justiert werden. Auch das ist erst einmal ein positiver Aspekt, doch das Aber folgt sogleich: Das Fahrwerk ändert sich nicht, wenn man den Fahrmodus wechselt. Möchte man also dynamisch fahren, so muss man den Sport-Modus aktivieren und dann im Touch-Menü das Fahrwerk auf hart stellen. Zurück auf Komfort dasselbe Lied: Der Fahrmoduswechsel geschieht easy per Knopfdruck, doch das Fahrwerk muss manuell per Touch auf Komfort gestellt werden.

Nervöse Assistenz-Technik
Die Antriebstechnik überzeugt beim Zeekr 7X durchs Band: Die extreme Kraft des Antriebs bleibt bis in tiefe SoC-Regionen erhalten und beim Nachladen an einer 300 kW-Ladestation hat das Auto das Maximum rausgeholt. Möglich wären sogar bis zu 360 kW – die in der Werbung angegebenen 480 kW sind etwas irreführend, da dieser Werte nur für China gelten. Der Verbrauch war mit 24,3 kWh ebenfalls einigermassen okay, da der kleinere, leichtere und schwächere Zeekr X sogar noch mehr verbraucht hat.

Ein schwieriges Thema sind die Assistenzsysteme. ISA-Tempowarner und Spurhalteassistent sind hysterisch nervös, lassen sich aber immerhin per definiertem Shortcut schnell deaktivieren. Soweit okay. Doch zuweilen hatte ich im Test dennoch das Gefühl, dass das Auto gegen mich arbeitet: Etliche Warnungen, ich sei müde – obwohl ich teils erst gerade losgefahren und nicht müde war. Der Notbremsassistent piepst auch sehr früh, obwohl er auf der spätesten Warnstufe eingestellt ist. Der Tot-Winkel-Warner lieferte auch einige Fehlalarme. Die Verkehrszeichenerkennung ist massiv unzuverlässig. Zu guter Letzt ist das Matrix-Fernlicht teils nervös und flackert manchmal unschlüssig umher. Zwar kann der Hersteller per OTA-Update laufend nachbessern, dennoch werfen die Assistenzsysteme ein schlechtes Licht auf das Auto. Gleich doppelt schade, da der 7X ansonsten mit einer Souveränität abliefert, die selbst ich bei weitem nicht alle Tage erlebe.

Das Angebot stimmt
Ich kann nur empfehlen, ein genaues Auge auf die Assistenzsysteme zu werfen und sich allenfalls zu erkundigen, ob Updates anstehen. Ansonsten ist der 7X eine sichere Bank und zwar nicht nur wegen der bis zu zehn Jahre langen Garantie. Das SUV bietet Komfort erster Güte, viel Platz, modernste Antriebstechnologie und einen Berserker-artigen Schub. Das goldene Lenkrad bezüglich Effizienz gebührt dem Wagen zwar nicht, aber der Stromverbrauch bleibt im akzeptablen Rahmen. Indiskutabel gut ist das Preis-Leistungs-Verhältnis: Für 68’890 Franken bekommt man das SUV voll ausgestattet, so wie hier zu sehen. Ich staune immer noch über die Preispolitik von Zeekr, denn wenn man sich so anschaut, wie das Preisniveau bei Wettbewerbern, auch aus Asien, so aussieht, könnte Zeekr eigentlich auch mehr verlangen. So ist Zeekr quasi das Discount-Angebot im Premium-Segment, aber mit dem Fakt, dass man punkto Premium aber fast alle anderen aussticht. Verrückt.

Alltag 
Üppige Platzverhältnisse, grosser Kofferraum, bis zu 2000 Kilo Anhängelast und ultraschnelles Laden – der Zeekr 7X beherrscht auch den harten (Elektro-)Alltag.
Fahrdynamik 
Der Schub ist gewaltig, die Bremsanlage sehr bissig. Doch der Lenkung mangelt es an Feedback und das Fahrwerk bleibt auch im Sport-Modus eher weich.
Umwelt 
24,3 kWh/100 km sind angesichts der Grösse und der Leistung völlig okay. Kein Bestwert, aber damit kann man gut leben.
Ausstrahlung 
Das Design verbindet angenehme Zurückhaltung mit sportlichen Proportionen und klaren Flächen. Kann sich definitiv sehen lassen!
Fazit 
+ Schickes Design
+ Fürstliche Platzverhältnisse
+ Premium-Feeling durch und durch
+ Sehr bequeme Sitze mit Lüftung, Heizung und Massage
+ Schnelles und intuitives Infotainmentsystem
+ Irrer, aufbauender Punch
+ Extrem niedriger Geräuschpegel
+ Toller Fahrkomfort
+ Bissige und ausdauernde Bremse
+ Hohe Anhängelast
+ Zuverlässige automatische Türen
+ ESP dreistufig deaktivierbar
+ Ultraschnelles laden möglich
+ Handy als Schlüssel konfigurierbar
+ Sehr attraktiver Preis
+ Sehr umfangreiche Ausstattung
– Sensible und teils fehleranfällige Assistenzsysteme
– Sprachsteuerung ausbaufähig
– Sehr hohes Gewicht ist zu deutlich spürbar
Mängel am Testwagen
– Keine Mängel
Steckbrief
| Marke / Modell | Zeekr 7X AWD |
|---|---|
| Preis Basismodell / Testwagen | 64'990 CHF / 68'890 CHF |
| Antrieb | Elektrisch, Allradantrieb |
| Akkukapazität | 100 kWh (brutto) / k.A. kWh (netto) |
| Max. Leistung | 475 kW |
| Max. Drehmoment | 710 Nm |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 3,8 s |
| Vmax | 210 km/h (elektronisch abgeregelt) |
| WLTP-Verbrauch / Energieeffizienz | 19,9 kWh/100 km / C |
| Test-Verbrauch / Differenz | 24,3 kWh/100 km / +22% |
| WLTP-Reichweite | 543 km |
| Ø Test-Reichweite | 390 km |
| Max. Ladeleistung (DC) | 360 kW |
| Länge / Breite / Höhe | 4,79 m / 1,93 m / 1,65 m |
| Leergewicht (ohne Fahrer) | 2507 kg |
| Kofferraumvolumen | 543 l + 42 l Frunk |























Bilder: Koray Dollenmeier
Danke für dieses aufschlussreiche Review 🙏