Ein ganzes Segment ist nahezu ausgestorben, nämlich das der Hot Hatches – erschwingliche, Fahrspass-orientierte Autos. Aufgrund der grassierenden CO₂-Vorgaben hat sich eine Vielzahl Hersteller sang- und klanglos von diesem Segment verabschiedet. Würdiger elektrischer Ersatz ist bislang nicht in Sicht – der Abarth 500 geht in die richtige Richtung, ist aber zu schwach und kommt vor allem viel zu wenig weit. Oder steht die Antwort etwa schon da? Cupra hat seit rund einem Jahr die Performance-Variante VZ im Angebot. Die Leistungsdaten und die Grösse stimmen. Taugt der Cupra Born VZ als würdiger elektrischer Hot Hatch? Oder versinkt alles in der Emotions- und Bedeutungslosigkeit?
Beim Design folgt schon mal der erste fette Negativpunkt. Der Cupra Born ist in seiner Grundform das Gegenteil von sportlich oder dynamisch, und entgegen der ansonsten sportlicher ausgeführten Karossen von Performance-Modellen bleibt beim Cupra Born VZ alles beim Alten. Lediglich der Zusatz VZ am Heck sowie die Felgen weisen auf die sportlichere Variante hin. Ausserdem ist die hier gezeigte Farbe Forest Green dieser Variante vorenthalten. Insgesamt erinnert das Design aber halt eher an Minivan als an einen Hot Hatch – beim Technikbruder VW ID.3 GTX ist es aber genau dasselbe.

Vielversprechende Sitze
Im Innenraum scheint es Cupra dann aber schon ernster zu meinen. Die optionalen Schalensitze von Sabelt würden auch einem waschechten Sportwagen gut stehen! Allerdings bleibt auch beim Born VZ das Problem der zu hohen Sitzposition, die sich halt trotz der Schalensitze nicht sportlich anfühlt – aber immerhin stimmt die Ergonomie dennoch, man fühlt sich gut ins Auto integriert. Eine der Stärken des Born ist das Platzangebot. Obwohl er kompakt ist, geniessen alle Passagiere ein luftiges Platzangebot, das nicht auf Kosten des Kofferraums geht.

Die Anmutung der Materialien im Allgemeinen ist eher mässig, da doch viel harter Kunststoff zum Einsatz kommt. Aber immerhin stimmt die Verarbeitungsqualität, denn alles sitzt felsenfest und nicht knarrt oder fällt sonst wie störend auf. Pluspunkte sammelt überdies das Infotainmentsystem. Es ist schnell, intuitiv zu bedienen und verfügt über eine hervorragende Sprachsteuerung sowie eine Anbindung an ChatGPT. Auch eine Ladeplanung ist ins Navi integriert, obwohl diese im Test auch dann mal kurze Ladestopps vorschlägt, die eigentlich nicht nötig wären. Da wäre etwas mehr Voraussicht wünschenswert.

Keine Sport-Attitüden fühlbar
Der Cupra Born VZ startet stets im Comfort-Modus, der seinen Namen meiner Meinung nach etwas zu ernst nimmt. Nicht nur vom Handling her spürt man das Kürzel VZ in keinerlei Hinsicht, auch die Motorleistung und das Ansprechverhalten unterscheiden sich nicht von der mittlerweile starken Konkurrenz. Auf der anderen Seite hat das natürlich den Vorteil, dass trotz gesteigerter Motorleistung und Sportlichkeit der Komfort sowie die Alltagstauglichkeit nicht zu kurz kommen – wobei man die Sabelt-Sitze schon länger probesitzen sollte, denn die packen ordentlich zu und sind möglicherweise nicht für jeden geeignet. Apropos Alltagstauglichkeit: Leider hat Cupra kein One-Pedal-Driving implementiert. Die Rekuperation ist zwar nebst Segeln in drei Stufen justierbar, aber weder besagtes One-Pedal-Driving noch eine radarbasierte Rekuperation sind wählbar.

Auch der Cupra-Modus rettet es nicht
Wer das Maximum an VZ spüren will, muss in den Cupra-Modus wechseln, der netterweise über eine eigene Taste am Lenkrad jederzeit schnell abrufbar ist. Keine halben Sachen macht der Born nun puncto Ansprechverhalten: Selbiges ist so bissig, aggressiv und präzise, wie es nur sein kann, jedes Antippen wird blitzschnell in Vortrieb umgewandelt! Und während der anfängliche Punch auch dank des üppigen Drehmoments kräftig ist, so bleibt die Beschleunigung insgesamt hinter den Erwartungen zurück, wenn man sie mit Hot-Hatch-Standards vergleicht. Die Ursache? Ist schnell ausgemacht: das Gewicht von rund 2060 Kilo.

Will man den Born VZ nun entsprechend fahren, so muss ich ernüchtert feststellen, dass dies bei weitem nicht der elektrische Hot Hatch ist, den sich bestimmt einige wünschen. Das Handling ist viel zu diffus, das Auto wankt in Kurven, die Lenkung ist insbesondere um die Mittellage zu indirekt und sowohl Druckpunkt als auch Bissigkeit der Bremse lassen zu wünschen übrig – bei wirklich hartem Einsatz überhitzt die Bremse sogar schnell. Das ESP ist sehr rigoros und unterbindet jegliche Spielerei an der Hinterachse. Im ESP-Sport-Modus wird zumindest diese Leine etwas gelockert und der eine oder andere zarte Slide liegen drin, was wiederum den Unterhaltungswert erhöht. Aber unter dem Strich ist der Cupra Born VZ lediglich eine leicht sportlichere Variante des Born, aber kein Kompaktsportwagen.

Ein gutes Elektroauto – mehr nicht
Die letzten Absätze mögen nun hart wirken, doch das hat auch mit der persönlichen Erwartungshaltung zu tun. Grundsätzlich ist der Born VZ ein tolles Auto: Geräumig, ausreichend schnell, mit einem sportlichen Schuss und vor allem ziemlich sparsam. Der Testverbrauch von xx kWh/100 km reicht für eine echte Reichweite von über 400 Kilometern und wir reden hier immer noch von einem kompakten Auto. Auch die Ladeleistung von maximal 185 kW ist ganz okay – einzig die Routenplanung im Navi schlägt etwas gar viele Zwischenstopps vor, hier dürfte noch etwas Feinschliff stattfinden. Mit einem Preis von rund 56’000 Franken ist der Born VZ zwar kein Schnäppchen, aber insgesamt doch noch im vernünftigen Rahmen eingepreist. Wer ein kompaktes Elektroauto mit etwas mehr Pepp sucht, wird hier definitiv fündig. Wer jedoch auf eine elektrische Alternative von Leon oder Formentor VZ gehofft hat, wird enttäuscht. Offenbar sieht der Hersteller hier zu wenig Potenzial.

Alltag 
Für einen Kompaktwagen sind die Platzverhältnisse üppig, ausserdem ist der kleine Wendekreis im Alltag äusserst praktisch. Leider fehlt ein Frunk.
Fahrdynamik 
Die Leistung, die auf dem Papier vollkommen der eines Hot Hatches entspricht, versandet bedauerlicherweise zum Teil aufgrund des Gewichts von über zwei Tonnen. Die Lenkung ist um die Mittellage zu unpräzise, das Fahrwerk auch im Cupra-Modus zu unverbindlich und die Bremse nicht bissig genug, um bei harter Gangart mit dem Gewicht fertig zu werden. Immerhin sorgt der Heckantrieb mit der ESP-Sport-Stellung für einen gewissen Unterhaltungswert.
Umwelt 
Der Testverbrauch von xx kWh/100 km ist angesichts des Gewichts und der Leistung ein solider Wert. Eine reale Reichweite von über 400 Kilometer lässt sich somit problemlos erzielen.
Ausstrahlung 
Die Optik des Born VZ ist leider alles andere als sportlich, da helfen auch die Felgen sowie die kupferfarbenen Akzente nicht mehr viel.
Fazit 
+ Üppige Platzverhältnisse
+ Schnelles und intuitives Infotainmentsystem mit super Sprachsteuerung
+ Exzellente Schalensitze
+ Gute Verarbeitungsqualität
+ Hoher Fahrkomfort
+ Niedriger Verbrauch, hohe Reichweite für einen Kompaktwagen
+ Amüsanter Heckantrieb mit ESP-Sport
+ Extrem direktes Ansprechverhalten
+ Zahlreiche Fahrmodi mit deutlicher Spreizung
+ Umfangreiche Ausstattung
+ Hohe Ladeleistung
+ Kleiner Wendekreis
– Simple Materialien
– Sitzposition zu hoch
– Zu hohes Gewicht
– Sportlichkeit lässt insgesamt zu wünschen übrig für ein VZ-Modell
– Kein Matrix-Licht verfügbar
Mängel am Testwagen
– Keine Mängel
Steckbrief
| Marke / Modell | Cupra Born VZ |
|---|---|
| Preis Basismodell / Testwagen | 49 800 CHF / 56 350 CHF |
| Antrieb | Elektrisch, Heckantrieb |
| Akkukapazität | k.A. kWh (brutto) / 79 kWh (netto) |
| Max. Leistung | 240 kW |
| Max. Drehmoment | 545 Nm |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 5,6 s |
| Vmax | 200 km/h (elektronisch abgeregelt) |
| WLTP-Verbrauch / Energieeffizienz | 16,7 kWh/100 km / A |
| Test-Verbrauch / Differenz | 18,3 kWh/100 km / +10% |
| WLTP-Reichweite | 596 km |
| Ø Test-Reichweite | 410 km |
| Max. Ladeleistung (DC) | 185 kW |
| Länge / Breite / Höhe | 4,32 m / 1,81 m / 1,54 m |
| Leergewicht | 2065 kg |
| Kofferraumvolumen | 385 - 1267 l |






















Bilder: Koray Dollenmeier