Voyah Courage: Preiskracher mit Kinderkrankheiten

Der chinesische Hersteller Voyah und dessen Schweizer Importeur Noyo blasen nach dem Voyah Free mit dem kompakteren Courage zum nächsten Angriff. Das SUV sieht schick aus, bietet üppige Platzverhältnisse und unverschämt viel Leistung zum Budget-Preis. Grundsätzlich macht man damit nichts falsch, zumal der Importeur auch üppige Garantieleistungen in Aussicht stellt. Doch zum Launch des Autos in der Schweiz muss man vorerst noch mit ein paar Kinderkrankheiten vorlieb nehmen und es ist offen, welche bis wann per Update behoben sein werden.

Auch Voyah versteht es, Autos zu designen, die dem europäischen Geschmack entsprechen. Die Front mit den schmalen Scheinwerfern und dem beleuchteten Kühlergrill inklusive Logo ist ein echter Hingucker. Obwohl elektrisch, spendiert der Hersteller dem SUV schicke Felgen ohne Aero-Gedöns. An der C-Säule gibt es nochmal ein optisches Merkmal in Form einer gestreckten Haifischflosse. Das Heck zeigt sich gefällig, aber mit dem durchgezogenen Leuchtband und den unauffälligen Formen austauschbar. Kurz: Präsente Front, ansonsten dezent, aber aus jedem Winkel gefällig anzuschauen!

2026 Voyah Courage
Der beleuchtete Kühlergrill ist ein Designstatement.

Qualität top, Technisch lala

Wie viele China-Modelle überrascht auch der Courage mit ausserordentlich üppigen Platzverhältnissen und einer hohen Qualitätsanmutung. Man sitzt auf allen Plätzen luftig, obschon insbesondere vorne der Seitenhalt zu wünschen übrig lässt. Ein weiterer kleiner Ergonomie-Patzer ist die Mittelkonsole. An dem Ort, an dem man sich mit dem Ellbogen abstützt, befindet sich der Knopf für die Öffnung des Faches. Dafür punktet das Auto mit einer üppigen Kunstleder-Ausstattung, billiger Kunststoff ist praktisch nirgends vorzufinden. Die Ablagemöglichkeiten sind üppig und für den Notfall steht sogar ein kleiner Hammer bereit, um die Seitenscheibe einzuschlagen.

2026 Voyah Courage
Die Silhouette wirkt flach und sportlich. Die C-Säule hat eine markante Form.

Infotainment-technisch wirkt der moderne Courage aber noch nicht ganz fertig. Dass hier und da mal eine deutsche Übersetzung unschön getrennt wird oder auch nicht perfekt den Kern trifft – geschenkt, ausserdem wird das per Updates behoben. Schwerer wiegt allerdings, dass die EU-Version (noch) keine bordeigene Navigation hat. Da verkommt der grosse Touchscreen schon fast zur Zierde. Apple CarPlay ist implementiert, für Android-Auto bedarf es noch eines mitgelieferten Dongles. Auch das wirft ein seltsames Bild ab. Zu guter Letzt lässt sich die extrem penetrante Aufmerksamkeitsüberwachung bisher nicht ausschalten. Der entsprechende Menüpunkt existiert zwar, doch er ist wirkungslos. Zwar verspricht Voyah für all die genannten Mankos Abhilfe per Update – doch wann das so weit ist, steht in den Sternen.

2026 Voyah Courage
Ohne Karte wirkt der grosse Touchscreen dank Wallpaper zwar schön, aber halt doch ziemlich leer.

Fahrerischer Allrounder

Bezüglich der Fahrqualitäten liefert der Chinese aber ab, ohne grosse Fragen zu hinterlassen. Der Courage ist typisch ausgewogen abgestimmt, mit einem adaptiven Fahrwerk, das im Komfort sowie im standardmässigen Eco-Modus angenehm federt, ohne den Courage zu einem schwankenden SUV verkommen zu lassen. Im Gegenteil, das Fahrgefühl fühlt sich sehr erwachsen und europäisch an, was ich als Kompliment gegenüber dem Chinesen meine. Grosses Lob verdient überraschenderweise die Lenkung. Sie arbeitet präzise und leichtgängig, gibt einem ein gutes Gefühl über die Vorderachse und das perforierte Lenkrad liegt perfekt in der Hand mit gutem Grip in den Handflächen. Top!

2026 Voyah Courage
Typisch aufgeräumtes, nüchternes Cockpit. Die Qualität stimmt.

Im Sportmodus wird das Fahrwerk straffer und die Lenkung härter, doch die Ingenieure haben sich bei der Härte des Sportmodus zurückgehalten. In sportlich gefahrenen Kurven wankt und curvt die Karosserie immer noch ziemlich. Zügiges und dynamisches Fahren geht gut, aber für Eskalationen ist der Courage nicht gedacht. Leistungsmässig ist aber einiges an Eskalationspotenzial da: Mit 320 kW und 620 Nm schiebt das SUV unerbittlich nach vorne, auch weit über 100 km/h hinaus. Da frage ich mich schon, ob es diesen Leistungsausbruch braucht, wenn das Fahrwerk gar nicht so sehr auf Sport ausgelegt ist. Andererseits kann man Leistung immer brauchen, also beschwere ich mich nicht…

2026 Voyah Courage
Platz ist reichlich vorhanden.

Wo geht der Strom hin?

So überzeugend der Courage beim Fahren ist, so undurchsichtig ist er bezüglich des Stromverbrauchs, wobei ich einen Fehler im Bordcomputer vermute. Der Hersteller gibt einen Stromverbrauch nach WLTP von 20,0 kWh/100 km an. Das soll mit dem 80 kWh-Akku für 445 km reichen. Ich habe im Test gemäss Bordcomputer einen Wert von 17,2 kWh/100 km erzielt. Das erscheint zunächst sensationell, doch es kann nicht stimmen, da die hochgerechnete maximale Reichweite bei rund 360 Kilometern lag im Test. Das ist zwar nicht sehr weit unter dem WLTP-Wert, doch ein Langstreckenläufer ist der Courage nicht. Immerhin kann mit hohen 200 kW nachgeladen werden. Doch der Bordcomputer scheint ein Update zu benötigen, da er einem offenbar einige kWh verschweigt.

2026 Voyah Courage
Vorne nimmt man auf bequemen Sitzen Platz, die heizen, kühlen und massieren.

Viel Nutzen für wenig Geld

Der Voyah Courage hat Potenzial. Das Auto ist geräumig, komfortabel, schnell und sieht gut aus. Doch wie bei fast allen Chinesen sind die Assistenzsysteme sehr restriktiv und das Auto macht nur dann Spass beim Fahren, wenn man alles nach jedem Motorstart ausschaltet. Ausserdem hat das Auto mehr als nur ein Software-Update nötig: Übersetzungen, Bordcomputer, Navigation, Android Auto, Aufmerksamkeitswarner – das sind gleich einige digitale Baustellen für ein eigentlich fixfertiges Auto, das auf Auslieferungen wartet. Dafür stimmt einen der Preis wieder milder – ein neues SUV dieser Grösse und in dieser Leistungsklasse für wie abgebildet 44’000 Franken findet man kaum.

2026 Voyah Courage
Ein paar Software-Baustellen muss man dem Voyah Courage attestieren. Ansonsten ein gut aussehendes Auto mit einem tollen Fahrgefühl zu einem kämpferischen Preis!

Alltag 4.5 out of 5 stars

Der Voyah Courage ist geräumig, gemütlich, handlich und nimmt bis zu 1700 Kilo an den Haken. Damit ist er sehr vielseitig einsetzbar und taugt als vollwertiges Familien- oder Arbeitsauto. Einzig ein Frunk fehlt.

Fahrdynamik 3.5 out of 5 stars

Die Leistungsentfaltung ist kräftig, auch bei relativ tiefem Akkustand. Erfreulich präzise und direkt ist ausserdem die Lenkung. Das ESP regelt aber extrem rigoros, falls man sich dem Grenzbereich annähern möchte, der aufgrund der nicht so straffen Einstellung im Sportmodus doch in nicht so weiter Ferne liegt.

Umwelt 3.5 out of 5 stars

Aufgrund der zweifelhaften Werte des Bordcomputers lässt sich diesbezüglich keine genaue Aussage tätigen. Aufgrund der realen Reichweite von rund 360 Kilometern gehe ich von einem Stromverbrauch von rund 22 kWh/100 km. Das wäre dann bestenfalls Mittelmass.

Ausstrahlung 5 out of 5 stars

Optisch macht der Courage einen tollen Eindruck: Gefällige Linien und Proportionen, prägnante Front und schicke Felgen sprechen für das SUV.

Fazit 4 out of 5 stars

+ Schönes Design
+ Gute Ergonomie, geräumiger Innenraum
+ Hohes Qualitätsniveau
+ Hoher Fahrkomfort
+ Gutes Handling dank präziser und direkter Lenkung
+ Kräftiger Antritt
+ Rekuperation und One-Pedal-Driving einstellbar
+ Klar abgegrenzte Fahrmodi
+ Preislich extrem attraktiv
+ Simple Konfiguration, Vollausstattung inklusive

– Sensibel kalibrierte Assistenzsysteme
– Diverse Software-Updates wären vonnöten
– Eher weiches Setting im Sport-Modus
– Knapp bemessene Praxis-Reichweite

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellVoyah Courage
Preis Basismodell / Testwagen43'990 CHF / 43'990 CHF
AntriebElektrisch, Allradantrieb
Akkukapazität80 kWh (brutto) / k.A. kWh (netto)
Max. Leistung320 kW
Max. Drehmoment620 Nm
Beschleu­nigung 0–100 km/h4,9 s
Vmax204 km/h
WLTP-Verbrauch / Energieeffizienz20,0 kWh/100 km / C
Test-Verbrauch / Differenz17,2 kWh/100 km / -14%
WLTP-Reichweite440 km
Ø Test-Reichweite360 km
Max. Ladeleistung (DC)200 kW
Länge / Breite / Höhe4,73 m / 1,90 m / 1,64 m
Leergewicht (ohne Fahrer)2228 kg
Kofferraumvolumen527 - 1400 l

Bilder: Koray Dollenmeier

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