Zeekr 7GT: Zu schön, um wahr zu sein?

Das Versprechen von Zeekr, definitiv einem der heissesten Kandidaten aus China, klingt und liest sich fast zu schön: Der Hersteller verspricht einen grossen, üppig motorisierten GT, allerdings nicht zu europäischen Mondpreisen, sondern zu erschwinglichen chinesischen Preisen. Das Design kann sich sehen lassen, die technischen Daten lesen sich wie Trümpfe im Autoquartett, das Händlernetz ist dank Emil Frey als Importeur dicht und obendrauf gibt es bei konsequenter Wartung bis zu 10 Jahre Garantie. Das wirkt wie das Nonplusultra in der Klasse und obwohl der Zeekr 7GT ein richtig tolles Auto ist, so ist er nicht ganz so unangreifbar, wie es auf den ersten Blick scheint.

Nun kann man immer über Design streiten, aber der 7GT hat wirklich schöne Proportionen: Viele Kurven, rundliche Formen, flache Scheinwerfer, grosse Räder, eine markante Front, eine abfallende, lange Dachlinie und ein sportliches Heck, das meiner Meinung nach einen ordentlichen Schuss Porsche Taycan enthält. Ebenfalls positiv zum Erscheinungsbild tragen bei, dass das Auto auf schicken Felgen und nicht auf neumodischen Aero-Rädern steht, dass die Türen rahmenlos sind und die Dichtungen clever versteckt sind, sodass Glas direkt auf Blech zu treffen scheint. Der Zeekr 7GT ist damit definitiv ein Augenschmaus und kann sich überall sehen lassen. Ausserdem wirkt das Auto deutlich teurer, als es tatsächlich ist.

2026 Zeekr 7GT
Die schwarze Blende über den Scheinwerfern hat Zeekr neuerdings mit Ferrari gemeinsam.

Hochwertig, aber kühl

Der Innenraum wirkt schliesslich etwas ordinärer als die sportlich-futuristische Aussenoptik. Die harten Facts zuerst: Das Raumgefühl ist auf allen Plätzen top, auf der Rückbank sitzt es sich vorzüglich mit geradezu verschwenderischem Knieraum. Mässig hochwertiger Kunststoff wird äusserst sparsam eingesetzt, der grösste Teil des Innenraums ist mit Soft-Touch-Materialien, Kunstleder oder echtem Leder hochwertig ausgekleidet und die Verarbeitungsqualität wird anspruchsvollen europäischen Ansprüchen mehr als gerecht. Das liest sich alles positiv und ist auch so gemeint, und doch fehlt im Innenraum ein wenig der Wow-Faktor, den das Aussendesign erzielt. Einen Teil trägt das komplett schwarze Interieur bei, wobei auf Bestellung auch ein extravaganteres, cremefarbenes Interieur mit braunen Akzenten geordert werden kann. Aber auch Farbe kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das gewisse Etwas fehlt. Ich denke da an ein ausgefallenes Designelement im Interieur, ein auffälliges Zierelement oder richtig fancy Schalensitze. Das ist freilich Jammern auf sehr hohem Niveau und das Einzige, was mich dazu veranlasst, ist, wie geil das Auto von aussen aussieht.

2026 Zeekr 7GT
Top Qualität, aber wenig Wow-Effekt aufgrund des nüchternen Interieur-Designs.

Wie man es von chinesischen Autos gewohnt ist, wird praktisch das ganze Auto über den zentralen Touchscreen «gesteuert». Und obwohl das System übersichtlich aufgebaut ist, so wiederhole ich immer wieder gerne, dass Knöpfe erstens haptisch ein riesiger Gewinn sind und insbesondere Klima-Steuerung über den Touchscreen ein doofer Trend ist. Zwar sind vier Knöpfe und ein echter Volumen-Regler vorhanden, aber eben doch zu wenig, als dass es wirklich etwas nützt oder optisch cool aussieht. Ausserdem überzeugt speziell die teilweise holprige deutsche Sprachausgabe bis jetzt nicht. Dass das Bild der Navigation während der Fahrt mit Lag zu kämpfen hat und das Bild wie mit 5 FPS abläuft, passt ausserdem gar nicht zum modernen, technik-verliebten chinesischen Auftritt. Ebenfalls irritierend ist, dass nur der zentrale Touchscreen automatisch zwischen Tag- und Nachthelligkeit umschaltet. Das Fahrerdisplay muss immer manuell justiert werden, was sehr mühsam ist.

2026 Zeekr 7GT
Die Aussenspiegel sind als Designelement gestaltet. So was vermisse ich im Innenraum.

Zu guter Letzt stimmt die versprochene Sport-Ergonomie dieses als «Driver-Car» angepriesenen GT nicht – man sitzt zu hoch. Nicht so schlimm wie in anderen Elektroautos, aber eine «Driver-Car» – Sitzposition funktioniert nicht mit Akku am Boden, Punkt, aus. Die einzigen Elektroautos ausserhalb von Kleinstserien, die wirkliche Sportwagen-Ergonomie bieten, sind der Porsche Taycan, der Audi e-tron GT und der Maserati Granturismo. Allen gemein ist, dass sie ihren Akku im Mitteltunnel und unter der Rückbank statt unter den Vordersitzen verbaut haben.

2026 Zeekr 7GT
Bequeme Sitze mit Heizung, Massage und Lüftung. Doch mehr Seitenhalt und eine tiefere Sitzposition wären Wünschenswerter als etwa eine Massage.

Ein echter Reisewagen

Ich muss noch festhalten, dass der Zeekr 7GT zwar als Fahrerauto, aber nicht als Sportwagen angepriesen wird. Vielmehr ist er ein sportlich ausgelegter Langstrecken-Bomber und genau dieses Versprechen löst er vollumfänglich ein. Ich bin das Auto mehrheitlich im Alltag im Komfort-Modus gefahren. Die 710 Nm sowie die 475 kW halten sich vornehm zurück, das Auto fährt sehr sanft, geschmeidig, erwachsen. Dazu kommt eine leichtgängige, aber präzise Lenkung sowie ein Luftfahrwerk (!), das plüschig federt und dennoch genug von der Strasse durchlässt, um nicht zu vergessen, dass man in einem Driver-Car sitzt – wohlgemerkt einem Driver-Car, das Fahrer und Beifahrer den Rücken kühlt und mit diversen Massageprogrammen aufwartet.

2026 Zeekr 7GT
Von solchen Details dürfte es im Cockpit mehr geben.

Aber der Antrieb überzeugt nicht nur, wie er im Alltag diskret arbeitet, sondern auch als Gesamtpaket. Ich bin nie im Eco-Modus gefahren und habe dennoch eine reale Reichweite von 470 Kilometern erzielt, was nicht viel weniger ist als die 558 WLTP-Kilometer. Liegt das Ziel ausserhalb der Reichweite, dauert die Pause nicht lange: Der Akku wird mit beinahe 400 kW (getestet) wieder voll geboostet, anders kann man das fast nicht nennen. Wer mehr als Pipi und Kaffee in der Pause tun möchte, muss sich eher darüber sorgen, dass der Schnelllader für jemanden anders blockiert ist, als dass zu wenig Strom nachgeladen wird.

2026 Zeekr 7GT
Die lang gezogene, flache Dachlinie betont die Sportlichkeit.

E-Power mit der nötigen Dramatik

Dass der Zeekr 7GT aber nicht nur vorzüglich reisen kann, wird im Sport-Modus klar und zwar spätestens dann, wenn die volle Leistung abgerufen wird. Wie der GT davonzieht, ist krank. Für vergleichbaren Benziner-Punch bezahlt man über 300’000 Franken. Das Auto stürmt davon und baut ab 70-80 km/h sogar noch mehr Schub auf und hält den vollen Druck aufrecht, bis weit über 140 km/h. Ich bin ja schon vieles gefahren, aber der Zeekr ist wirklich krass. Wüsste ich es nicht besser, würde ich angesichts des massiven Leergewichts von rund 2350 Kilo sogar behaupten, das Auto hätte noch mehr Leistung. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber der Schub ist echt irre.

2026 Zeekr 7GT
Schade, lässt sich das Auto nicht genauso konfigurieren. Die vollautomatischen Türen arbeiten zuverlässig und lassen sich vom Touchscreen aus bedienen.

Etwa differenzierter wird es dann beim Handling. Das Fahrwerk wahrt auch im Sport-Modus noch die Manieren, was wiederum heisst, dass die Karosserie sich neigt und das Auto sich bei schnellen Wechselkurven leicht aufschaukelt. Auch das Sport-Feeling dürfte für meinen persönlichen Geschmack etwas härter, etwas intensiver, etwas unnachgiebiger sein. Aber auch wenn das Fahrwerk etwas nachgibt, die Bereifung (Michelin Pilot Sport EV) passt und hält extrem lange den Grip. Die Bremse überzeugt mit viel Ausdauer, ausgezeichnetem Druckpunkt und Sportwagen-mässiger Verzögerung.

2026 Zeekr 7GT
Wird das Auto hart gefordert, arbeitet die Bremse direkt und mit gutem Druckpunkt. Auch bei starker Beanspruchung lässt der Biss nicht nach.

Doch das eigentliche Highlight steckt tief im Untermenü «Fahren». Man kann dort das ESP in den Sport-Modus versetzen oder sogar ganz abschalten. Mit eingeschaltetem ESP ist das Auto trotz exorbitanter Leistung relativ narrensicher zu fahren, während es mit reduziertem ESP auf eine richtig geile Art fordernd wird. Früh ans Gas in der Kurve provoziert Leistungsübersteuern und aufgrund der heftigen Potenz des Autos muss das Gas kontrolliert sein, ansonsten lässt der Sport-Modus relativ grosszügige Winkel zu. Super, wenn man weiss, wie handeln, aber definitiv nichts für Anfänger. Tatsächlich lässt sich das ESP auch komplett ausschalten und der Zeekr 7GT in einen batteriebetriebenen Radiergummi umwandeln. Ein Verhalten, das ich in einem BMW erwartet hätte, aber nicht in einem Zeekr. Das wiederum zeigt mir, dass Ingenieure das Auto abgestimmt haben, die erstens genau wissen, wie man solche Autos abzustimmen hat, und zweitens auch Freude daran haben, wie das Auto nachher fährt. Das tolle Fahrverhalten kommt schliesslich nicht von ungefähr und einfach so, weil man eine kranke Beschleunigung erzielt. Da steckt sehr viel mehr dahinter.

2026 Zeekr 7GT
Kaum zu glauben, aber mit dem 7GT lassen sich Slides zaubern und sogar wilde Drifts vollziehen.

Heikle Assistenten, aber die Argumente stimmen

Nebst den bisher erwähnten kleinen Software-Unzulänglichkeiten bezüglich Infotainment und Sprachsteuerung sind einmal mehr die Assistenzsysteme ein Dauerthema. Wie bei vielen chinesischen Modellen üblich, sind die digitalen Polizisten auch im Zeekr teils übereifrig, weshalb sie am besten umgehend deaktiviert werden. Dies geschieht zwar dank Shortcuts auf dem Touchscreen relativ zügig, doch leider schaltet der Spurhalte-Shortcut selbigen eben noch nicht vollständig aus. Erst wer drei (!) Regler im entsprechenden Untermenü deaktiviert und quittiert, hat wirklich Ruhe. Unnötig zu erwähnen, was für ein Quatsch das ist. Ebenfalls irritierend ist der adaptive Tempomat: Letzterer drosselt bei leichten Kurven deutlich das Tempo, obwohl der entsprechende Regler für das Anpassen auf den Strassenverlauf deaktiviert ist. Da frühere Zeekr-Modelle dieses ACC-Verhalten nicht gezeigt haben, gehe ich beim 7GT von einem weiteren Software-Bug aus.

2026 Zeekr 7GT
Der 7GT wird als Fahrerauto angepriesen. Absolut zu Recht, wenngleich ihm die letzte Schärfe wohl bewusst fehlt, um die GT-Qualitäten zu akzentuieren.

Der Newcomer von Zeekr zeigt bedauerlicherweise, dass moderne Autos mindestens so viel Computer wie Fahrzeug sind. Die Hardware und das Fahrverhalten sind top, um nicht zu sagen mitreissend. Doch die Software benötigt stellenweise noch etwas Feinschliff. Dies passiert OTA und wird wahrscheinlich nicht lange auf sich warten lassen, aber dennoch sollten solche Bugs wie von mir geschildert bei einem fertigen Auto eigentlich nicht mehr vorkommen. Nichtsdestotrotz ist das Gesamtbild glasklar: Der Zeekr 7GT wird seinem Namen gerecht und ist in seinem Segment ein echter Spitzenprädator. Der Schub ist abartig, das Handling sportlich, der Komfort ausgezeichnet, die Reichweite hoch und das Schnellladen zuverlässig. Die enorme Leistung könnte zwar auf ein etwas schärferes Fahrwerk treffen, aber GT-Tugenden haben Vorrang. Dafür fordert das Auto seinen Fahrer mit der ESP-Sport-Stellung und beweist nicht nur damit, dass Fahrspass bei Zeekr seinen festen Platz hat.

2026 Zeekr 7GT
Wenige Schwächen und zahlreiche Talente machen das Auto zu einem heissen Kandidaten – selbst über sein Segment hinaus.

Die Konditionen tun schliesslich ihr Übriges, dass das Auto zieht: 59’440 Franken unterbieten die gesamte vergleichbare Konkurrenz eindeutig, die einzigen Aufpreis-Komponenten sind Lackierung und das helle Interieur. 5 Jahre und 100’000 Kilometer Garantie sind inklusive. Wer die Wartung konsequent beim Importeur Emil-Frey durchführen lässt, steigert die Garantie aufpreisfrei sukzessive auf 10 Jahre oder 200’000 Kilometer. Da wird es fast schon schwierig, gegen den 7GT zu argumentieren. Eigentlich sollte ich das gar nicht schreiben, aber das Auto ist fast zu günstig – oder sind alle anderen zu teuer…?

2026 Zeekr 7GT
Noch ein paar Software-Fehler ausmerzen und das Auto zeigt kaum nennenswerte Schwächen – und das zu einem Preise, der fast schon zu gut ist. Das Auto fährt auf Wunsch nicht nur sehr angriffslustig – auch seine Positionierung ist es.

Alltag 4.5 out of 5 stars

Ein geräumiger Innenraum, hohe Reichweite und superschnelles Nachladen machen den Zeekr 7GT zum perfekten Alltags- sowie Reiseauto. Der Kofferraum ist allerdings nichts für Sperriges und die Handlichkeit beim Manövrieren lässt zu wünschen übrig.

Fahrdynamik 4.5 out of 5 stars

Explosiver Schub und eine perfekt dosierbare, standfeste Bremse sorgen für bombastische Längsbeschleunigung in jeder Hinsicht. Das Handling profitiert von gripstarken Reifen und einer präzisen Lenkung, doch das Fahrwerk ist auch im Sport-Modus zu nachgiebig. Wird das ESP gelockert, zeigt der Zeekr 7GT nochmals ein ganz anderes Gesicht.

Umwelt 4.5 out of 5 stars

Mit einem Testverbrauch von 20,6 kWh/100 km ist der Chinese für seine Verhältnisse ziemlich sparsam. Vor allem ist er deutlich effizienter als alle anderen Zeekr-Modelle.

Ausstrahlung 5 out of 5 stars

Das Auto sieht nicht nur gut aus, weil es irgendwo zwischen Kombi, GT und Shooting Brake angesiedelt ist. Das Design wirkt in sich ruhend, modern, sportlich und doch auffällig. Ein echter Eyecatcher im SUV-Brei.

Fazit 4.5 out of 5 stars

+ Schickes, extravagantes Design
+ Üppige Platzverhältnisse
+ Sehr hohes Qualitätsniveau
+ Grundsätzlich tolles Infotainmentsystem, aber mit kleinen Software-Bugs
+ Super Fahrkomfort, tiefer Geräuschpegel
+ Gutes Handling dank präziser und direkter Lenkung
+ Explosionsartiger Antritt, irrer Druck
+ Rekuperation und One-Pedal-Driving einstellbar
+ Klar abgegrenzte Fahrmodi
+ Standfeste und perfekt dosierbare Bremse
+ Sehr hohes Gripniveau
+ ESP dreistufig deaktivierbar, dann hecklastiges Antriebsverhalten
+ Preislich sehr attraktiv
+ Simple Konfiguration, Vollausstattung inklusive
+ Üppige Garantieleistungen

– Sensibel kalibrierte Assistenzsysteme, Spurhalte-Shortcut nicht vollständig
– Diverse Software-Bugs, deutsche Sprachsteuerung ausbaufähig
– Sperriges Handling aufgrund grossem Wendekreis und schlechter Rundumsicht
– Sitzposition etwas zu hoch
– Konstruktionsbedingt hohes Leergewicht

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellZeekr 7GT AWD
Preis Basismodell / Testwagen59'990 CHF / 59'990 CHF
AntriebElektrisch, Allradantrieb
Akkukapazität100 kWh (brutto) / k.A. kWh (netto)
Max. Leistung475 kW
Max. Drehmoment710 Nm
Beschleu­nigung 0–100 km/h3,3 s
Vmax210 km/h (elektronisch abgeregelt)
WLTP-Verbrauch / Energieeffizienz20,2 kWh/100 km / C
Test-Verbrauch / Differenz20,6 kWh/100 km / +2%
WLTP-Reichweite558 km
Ø Test-Reichweite480 km
Max. Ladeleistung (DC)420 kW
Länge / Breite / Höhe4,82 m / 1,91 m / 1,46 m
Leergewicht (ohne Fahrer)2350 kg
Kofferraumvolumen456 - 1737 l + 32 l Frunk

Bilder: Koray Dollenmeier

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